Sonntag, 23. Juli 2017

In der heißen Phase

...war nicht nur der Garten sprichwörtlich in den letzten zwei Wochen. Es war so viel los - im Garten und im Job - dass auch keine Zeit zum kontinuierlichen Bloggen war. Nicht zuletzt hatte auch das Wetter eine heiße Phase und wenn man dann in einem relativ windgeschützen Garten vor einem hellen Steingebäude gärtnert, das auch noch wunderbar die Wärme reflektiert, dann ist man abends mehr als gar.

Den Garten werdet ihr aber nicht wiedererkennen. Von der verwilderten Kulturbrache zum Hortus deliciarum. Es hat Schweiß gekostet, Kraft und Tränen, aber jetzt ist es ein Garten, in dem sogar noch Herbstgemüse einziehen kann. Momentan sehr aufgeräumt, aber wilder wird's ja von alleine wieder ;-)

An meiner Gartenmauer setzte sich das Leben indes ein Denkmal, an dem man allzu schnell achtlos vorbeigeht:

Das Wegekreuz

Wer sich noch an den gezeichneten Plan erinnert, der weiß, dass um den buchsähnlichen Busch in der Mitte des Beetes ein Wegekreuz entstehen soll.
Das war das Planziel heute. Zur Befestigung der Beetränder haben wir abermals erst mal eine Ladung Feldsteine gesucht und vom Ackerrand zum Auto und von dort wieder aufs Gemüsebeet geschleppt.
Dann habe ich die Position und die Breite der Wege festgelegt und mit Seil markiert.

Als nächstes mussten die Wege etwas ausgegraben werden, damit Platz für den Holzschnitzelbelag entsteht. Was ich an Erde hier weggeschaufelt habe, landete im Hügelbeet, das bisher nur eine Lage Zweige und trockenes Laub als Grundfüllung hatte.

Wer dachte (wie ich), das Schaufeln und Erdeimer schleppen sei die schwerste Arbeit des Tages gewesen, der hat noch nicht über 150 Feldsteine zur Wegbefestigung in sengender Sonne verlegt. Denn es war ja nicht damit getan, sie einfach anneinander zu reihen... jeder Stein musste passend ausgesucht und ein bisschen eingegraben werden. Schwitz...


Zum Vergleich nochmal der Zustand vor drei Wochen...

Die Wege werden noch mit Holzschnitzeln belegt, damit sie trittfester werden (und besser aussehen).

Im Hügelbeet durften die ersten Pflanzen einziehen:

Freitag, 21. Juli 2017

Die Neuen aus Bamberg

Eine Woche ist es her, dass der Wildgarten zum Kulturgarten wurde und ich habe mich heute auf den Weg nach Bamberg gemacht, um in der dortigen Bio-Kräutergärtnerei ein paar Neuzugänge abzuholen.

Ein Grundsatz meines Gartens ist, die Materialien aus der Region zu beziehen. Am Besten gleich hier aus dem Dorf, oder aus dem Nachbardorf, wo ich die Feldsteine für das Hügelbeet holen konnte oder eben aus der Region, wie in Bamberg, wo es eine hervorragende Gärtnerei für Küchenkräuter und Arzneipflanzen gibt. Ein Repertoire medizinisch verwendbarer Gewächse soll nämlich die Zierrabatte auffüllen und nahm heute seine Plätze ein, z.B die Wilde Malve
Auch Baldrian, Johanniskraut, wilde Rauke, Frauenmantel, Kaskadenthymian, Ysop, Duftveilchen und schmalblättriiger Sonnenhut sind nun im Garten, wobei letzterer nicht in mein Konzept traditioneller Bauerngartenpflanzen passt, weil er erst im 19. Jh. als Neophyt eingeschleppt wurde. Nun ja, ein paar Exoten muss ich sowieso tolerieren, der Rhododendron ist ja auch kein europäisches Gewächs, deshalb würde ich ihn aber jetzt nicht aus dem Garten verbannen...



Ein herrliches "Unkraut" an völlig unpassender Stelle, welches ich aber bisher gegen alle Ordnungswüteriche verteidigen konnte, belohnt uns demnächst mit knallrosa Blüten:


Da bewährt sich meine Philosophie "erst mal stehen lassen und schauen, was daraus wird"

Donnerstag, 20. Juli 2017

Hauruck

Ein anderer Titel fällt mir zu diesem Post nicht ein.
Für drei Tage kamen die Gartenhelfer, um dem Werden des zukünftigen Gemüsegartens auf die Sprünge zu helfen. Und in der Tat haben sie kaum einen Halm stehen lassen. Aber fangen wir vorne an: Der Plan war, die Laube herzurichten, den Bewuchs des Gemüsebeetes abzumähen, die großen Rosenbüsche zu evakuieren und das Baumaterial für das Hügelbeet zusammen zu tragen - also eine größere Menge Feldsteine zu transportieren. Kurzum: all das, was ich alleine nicht bewältigen kann. Dieser Plan wurde erfüllt, alles prima. Dazu muss ich sagen, dass ich selbst leider nur sporadisch im Garten mithelfen konnte mangels freier Zeit und so schoss die Gartenaktion in Eigendynamik etwas über das Ziel hinaus:
Aus dem bepflanzten Stauden- und Zierbeet wurde auch gleich die gesamte Mulch- und Rotteschicht runtergekratzt (sieht ja sonst so unordentlich aus...) und das potentielle Mulch- und Kompostmaterial wurde entsorgt. Zurück blieb jede Menge nackte Erde zwischen einsam sitzenden Pflanzen und meine Trauer um das kleine funktionierende Ökosystem aus Zierpflanze, Wildkraut, Moosen und Bodenbewohnern in meinem Garten.
Aber bleiben wir beim positiven Blick auf die Dinge: das Gemüsebeet ist komplett bewuchsfrei, gelockert und vorbereitet (sogar umgegraben). Nur noch Wege anlegen und es kann losgehen. Auf diese Weise kann ich eine Herbst/Winterkultur versuchen: Herbstrettich, Herbstrübe, Feldsalat und Spinat. Das hätte ich im April noch nicht für möglich gehalten.


Vielleicht geht es nicht anders als im Hauruckverfahren. Vielleicht bin ich zu sanftmütig als Gärtnerin und tat mich deshalb so schwer, diese Radikalkur für meinen Garten hinzunehmen. Für den Augenblick stand ich jedenfalls etwas ratlos vor meinem rasierten Acker, der zum Schluss noch mit einem Unkrautvlies bekleidet wurde.
Die meisten Menschen sehnen sich nach Ordnung und Überblick, deshalb lieben sie getrimmte, geputzte Gärten in Reih und Glied, der Triumph über die Natur - auch die Passanten waren begeistert. Ich sehne mich nach perfekter Harmonie und Ausgewogenheit, nach optimalem Zusammenspiel von Kultur und Natur.

Inzwischen haben sich die Nerven etwas beruhigt. Hier und da sprießt der Gundermann und ein bisschen Klee und bedecken den Boden. Die umgesiedelten Pflanzen erholen sich vom Stress und haben es wahrscheinlich alle geschafft. Ich konnte mir indes überlegen, welche Pflanzen die leeren Plätze in der Zierrabatte einnehmen können...

Was sonst noch passiert ist während der Gartenaktion:
Das Hügelbeet wurde aufgeschichtet. Aus großen und kleinen Feldsteinen aus der Gegend habe ich ein 30cm hohes Beet zusammengepuzzelt, das farblich perfekt zum Haustein der umstehenden Häuser und des Schlosses passt. Das war mir wichtig. Aufgefüllt haben wir es erstmal mit Laub und Gehölzschnitt.

Die Monsterrose habe ich nach dem Verblühen beherzt zurückgeschnitten, so dass sie jetzt wieder als zwei Meter hoher Strauch alleine stehen kann und der völlig ruinierte Rosenbogen weg konnte.

Der etwas kümmerliche Rhododendron wurde aus seinem eingerabenen Topf befreit und in ein mit saurer Erde aufgefülltes Pflanzloch gesetzt. Wollen wir hoffen, dass es ihm gefällt :-)

Samstag, 1. Juli 2017

Stechimmen-Shooting

War heute mal wieder auf Stippvisite im Garten. Es ziehen immer wieder Schauer durch, da hab ich beschlossen, nur nach dem Rechten zu sehen. Ich hab den Augen nicht getraut: da regnet es drei Tage und schon ist wieder ein Dschungel gewachsen.
Das einzige Sonnenrad an diesem bedeckten Tag war die inzwischen aufgeblühte Riesensonnenblume:



Ansonsten steht der Rhododendron in den Startlöchern zum Aufblühen. Trotzdem sind schon allerlei Nektarliebhaber eifrig am Werk und waren heute die Stars vor meiner Linse:

Pummelig, pelzig, emsig: Dunkle Erdhummel

Wespe


...und zuguterletzt: Honigbiene
Aber mein Favorit unter den Nektar- und Pollensammlern bleiben die Hummeln - immer wieder wunderbar
Leider war heftiger Wind, der die Blüten geschüttelt hat und den Kamerafokus durcheinander
 brachte. Aber ich bin ihnen dennoch recht nah *auf den Pelz* gerückt.

Neulich habe ich mich noch gefragt, bei wem ich Steinpflanzen schnorren könnte, da kommt heute das zum Vorschein:
Es ist offenbar alles da, man muss es nur finden.

Dienstag, 27. Juni 2017

Warum Gärtnern eigentlich Suchen ist

Ich frage mich manchmal, warum ich eigentlich so ein ausgeprägter Garten-Gucker bin und so oft einfach nur auf dem Balkon oder im Garten stehe und schaue. Die vorbeilaufenden Dorfbewohner und Touristen (und davon gibt es einige...) halten mich wahrscheinlich für vor Schreck erstarrt oder geistesgestört oder im Stehen eingeschlafen oder so ähnlich.

Aber was tue ich da eigentlich? Ich denke nach, man könnte auch sagen, ich mache einen mentalen Rundflug und suche - nach Ideen, nach Lösungen, nach Antworten auf meine vielen tausend Fragen an den Garten und das darin wuchernde Leben.


"Stop - Look - Listen" ist so ein Spruch, den man im schottischen Hochland an jedem Bahnübergang lesen kann und der auch in Anbetracht der gewaltigen Naturschönheit in Schottland sehr empfehlenswert ist. Genauso ist es doch auch in unseren Gärten: wer schaut, entdeckt, wer beobachtet, der lernt.
Natürlich könnte ich (und habe ich) viele Bücher (ge)lesen über das Gärtnern, wie es sich für einen Berufsgrübler gehört. Aber das ist ein bisschen wie Männer, die Frauenzeitschriften lesen in der Hoffnung, Frauen dann besser zu verstehen: letztlich ist die Wahrheit im Beet ja doch eine ganz andere und deshalb ist man auf das Erleben und Erfahren angewiesen.

Ich habe ja nicht meine 30qm durchgepflügte Erde, um ihr mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Gemüse und Obst abzuringen - das wäre zu einfach und außerdem eine einseitige Angelegenheit. Ich sehe die Beziehung zu meinem Garten eher kollegial: ich möchte etwas von ihm und er dafür etwas von mir. Klassischer Fall von Symbiose. Ich unterstütze ihn bei dem, was er von Natur aus sowieso macht: Wachsen und Gedeihen, aber ich mache es auf eine Weise, dass eine Win-win-Situation entsteht: er befindet sich im ökologischen Gleichgewicht und im Gegenzug darf ich die Früchte mit nach Hause nehmen :-)
Was er braucht und was ich für ihn tun kann, das teilt er mir kontinuierlich mit, vorausgesetzt, ich höre und sehe ihm zu.

Und das ist es wohl, was ich tue, wenn ich in meine Gartenstarre verfalle: ich stelle Fragen und suche die Antworten, indem ich zuhöre und zusehe, was im Garten los ist und wie er auf mich und mein Handeln reagiert. Ich tue etwas, der Garten tut etwas, und so kommunizieren wir. Ich möchte behaupten, das ist sogar der größte Reiz für mich am Gärtnern: die natürlichen Gegegebenheit und Vorgänge so arrangieren, dass Garten und Gärtnerin gleichermaßen maximal davon profitieren.

Ich sag's allzu oft: wir arbeiten nicht *im* Garten, sondern *mit* dem Garten.
Stimmt's?


Donnerstag, 22. Juni 2017

Hola, Paprika!

Und eines Tages hängen sie da, die Schoten. Die Paprika-Pflanzen haben so viele Blüten angesetzt, dass ich ein paar entfernen musste, sie hätten sich gegenseitig behindert und die Pflanze hätte sich totgeblüht.

Wie es aussieht, eine Chili-Paprika??? Ich wusste ja nicht, was ich da eingepflanzt habe, aber es sieht scharf aus. Da freut sich mein chilly-freakiger Papa, wenn er mich im Juli besucht... olé!