Donnerstag, 17. November 2016

Pantha rei - was kam, geht

Das Gartenjahr nähert sich dem Ende.
Schon seit ein, zwei Wochen sieht man meinem liebgewonnenen Gärtchen arg die Spuren der Vergänglichkeit an.  Daher war es Zeit, die Saison zu Ende zu bringen.
Wer draußen überwintern soll, wurde warm eingepackt. Ansonsten noch rasch Feldsalat und Spinat eingesät, auch wenn ich weiß, dass sie vor dem Winter nicht mehr groß werden...







Aber es ist an der Zeit, einmal zu resümmieren, was aus meinen knapp 4qm Balkon-Garten alles auf den Tisch kam:

- 2 Portionen Buschbohnen
- 2 Portionen Borlottibohnen
- 1 Portion schwarze Bohnen
- 2 Bund Radieschen
- ungezählte Portionen Salat (sicherlich ein Dutzend, zeitweise war ich hier Selbstversorger)
- geschätzt 1-1,5kg Möhren in verschiedenen Farben
hier die letzte Portion 'klassische':

- Gelbe Bete-Knollen
- 1 stolzer Kohlrabi

- 3 Lauchzwiebeln (Zwiebelgewächse waren aber generell eher der große Garten-Fail)
- Koriander-, Dill- und Leinsaat, jeweils etwa 1 Esslöffel (hätte mehr sein können, streckenweise war ich aber zu faul, die Körnchen aus den Hülsen zu popeln...)
- 13 verschiedene Kräuter, bei Estragon und Basilikum sogar eine regelrechte Schwemme, das Bohnenkraut entwickelte sich hingegen zur raumgreifenden Staude.
- Arzneipflanzen, die vor allem den Zweck erfüllten, Nützlinge in Scharen anzuziehen (und zusammen mit dem Lavendel und der Kapuzinerkresse hübsch auszusehen)

Mit Schädlingen hatte ich nur wenig Probleme, manchmal haben mir ein paar Läuse die Kräuter besiedelt und anfangs nagte der Kohlweissling am Kohlrabi. Zur echten Nervensäge entwickelten sich aber nur die Zwerzikaden, die an den Blättern saugten und sie im schlimmsten Falle echt unansehnlich machten.

Alles in allem war es erfolgreich, für ein erstes seriöses Balkongartenjahr. Und es war ein Erlebnis.
Natürlich gibt es schon Pläne für das nächste Jahr. Vor allem soll es mehr werden durch ökologisch durchdachtere Gartenstrategien. Ich kenne ja jetzt meine Pappenheimer. Nächstes Jahr möchte ich mehr in die Höhe mit den Bohnen und wieder Fruchtgemüse, Tomaten, Paprika. Weniger Möhren - die brauchen einfach viel Platz, dafür mehr Salat, denn der lohnt sich sowohl der Menge nach wie auch geschmacklich wirklih aus dem eigenen Anbau.
Aber jetzt ist erst mal Pause angesagt.
Vielen Dank, kleiner Garten, du warst mir ein Vergnügen, aber vor allem ein Hort des Friedens in meinem sonst so unsteten und hektischen Dasein.

Samstag, 17. September 2016

Meditatives Gärtnern

Nach langer Zeit mal wieder eine ausgiebige Garten-Session: Nach dem Urlaub war es für einige Zeit: die nächste Runde Bohnen baumelte am Strauch, die letzten Salamibohnen und Robert, der Kohlrabi.
Insgesamt war es ein Ernte- und Ernteverwertungswochenende.
Ach, Robert... er war tatsächlich der Geschmacksknaller des bisherigen Gartenjahres, denn er schmeckte nicht nur einfach nach Kohlrabi. Butterzart und irgendwo zwischen Kohlrabi, Radieschen und Rucola. Ich erinnere mich noch, wie er kaum einen Zentimeter hoch war und jetzt hatte er als Carpaccio mit Olivenöl einen phänomenalen Auftritt.

Die Salamibohnen fanden zusammen mit den eher bescheiden geratenen drei Zwiebeln ihre Bestimmung in einem sehr schrägen Ofengericht. Aber geschmacklich waren sie top. Übrigens habe ich festgestellt, dass diese krassen Bohnen auch als Hülsen ausgesprochen lecker sind und ganz anders schmecken als die schnöden grünen Bohnen...

Heute musste dann mal aufgeräumt werden, Altes raus, auflockern, zurückschneiden, ausdünnen. Stellenweise habe ich die erste Runde Spinat und Feldsalat gesät. Die Salamibohnen haben sich hingegen für eine zweite Runde entschieden und bilden wieder Blätter und Blüten. Ich versuche es auch wieder mit Blattsalat, diesmal eine selbstgemachte Saatmischung aus Sauerampfer, Blattsalat und Rucola. Mal schauen, ob es was wird.
Ansonsten heißt es: Saatgut puhlen. Einiges habe ich nun geerntet, Dillsaat, Koriander, Leinsamen, Kressesaat, Radieschensaat und Basilikumsaat, was alles noch aus den Hülsen gepuhlt werden muss.
Auch Stecklinge sind so ein Thema, das ich heute ins Auge gefasst habe.

Sonntag, 7. August 2016

Vorboten der Nachsaison

Ich hab's tatsächlich getan: ich hab ein "Beet" aufgelöst. Die Heilpflanzen waren nun doch so verblüht, dass sie wirklich nicht mehr ansehnlich waren. Sie haben ihren Dienst getan und jede Menge Nützlinge angelockt, die mir den Garten fein aufräumen. Aber nun war es Zeit für den Kompst.

Sonstiger GARTENSTATUS:
Da mir winzige Räupchen meinen kleinen Salatpott ruiniert haben, hab ich kurzerhand Blattgemüse zu den Bohnen gesät - das Substrat in dem kleinen Pott muss jetzt erst mal durchtrocknen, dann versuche ich es nochmal mit Salat Ende August. Auch der Salat im Salatbeet sieht langsam bedenklich aus. Naja, es kann ja nicht für ewig so weitergehen... Dafür zeigen sich die Möhrchen dazwischen und ragen mit den Rüben hervor. Die Gelben Beten werden langsam kugelig und viele Pflanzen blühen - wie der Oregano (rechts im Bild) - oder haben schon Samen gebildet, die nun vor sich hin reifen. Man merkt, dass der Zenit im Garten für die Hauptsaison überschritten ist. Wenn das Sommergemüse bald geerntet wird, muss man schon ans Herbst- und Wintergemüse denken.

Nachmittags kann ich nicht in meinem Garten sitzen, nein. Zum Einen ist es ziemlich heiß auf meinem Süd-Süd-Balkon, zum Anderen gehört der Garten in diesen Stunden eindeutig den Tieren, den Insekten und Vögeln, und wir würden uns gegenseitig nur stören. Durchs Fenster beobachtet sich ganz gut, wie die vielen Hummeln, Bienen, Schwebfliegen, Schlupfwespen, allerlei Käfer und Krabbler ihrer Wege gehen bzw. fliegen, Nektar sammeln, bestäuben, den Boden durchwühlen, Lästlinge vertreiben...
Am Abend wird es deutlich ruhiger, ab 19h liegt der Balkon schattiger und das Gewimmel hört auf, dann kann ich eine Weile draußen sitzen und mir das Tagwerk anschauen.
Dabei ist mir folgendes gestern aufgefallen:

 Bevor ich es reflexartig entfernt habe - wie ich es mit jedem Gelege des Kohlweißlings gemacht habe <knurr> - hab ich mich schlau gemacht, denn irgendwie kam mir dieses "Ei am Stiel"-Modell bekannt vor. Das hatte ich mal gelesen...
Und tatsächlich: Florfliegen! Damit wäre das Nützlingstrio perfekt in meinem kleinen Garten: Marienkäfer, Schwebfliegen und Florfliegen waren alle gar so angetan, dass sie ihre Kinderstuben bei mir eingerichtet haben. Jetzt bin ich mal gespannt auf die "Blattlauslöwen". Mittlerweile setze ich meine Nützlinge auch gezielt ein, bringe sie von einem Beet zum anderen. Gestern habe ich mit einer Schwebfliegenlarve einer sich ansiedelnden Blattlauskolonie an der Bete gleich den gar aus gemacht. Funktioniert perfekt.


Noch ein Bild von den baumelnden Salami-Bohnen. Wie italienische Edelsalami am Strauch... ein Männertraum ;-)

Donnerstag, 28. Juli 2016

Sommerpause

Eine kleine Pause hab ich eingelegt. Einerseits, weil es tatsächlich keine spektakulären Neuigkeiten gibt, seliger Gartenfrieden und eine Kräuterschwemme. Andererseits arbeitsbedingt: wuchert der Garten brav vor sich hin, rufen die Bücher umso lauter.

Ein kleines Update zum GARTENSTATUS, bevor ich - tatsächlich - ein paar Tage Urlaub mache:
- Beigeistert bin ich von meiner Anti-Schädlings-Task-Force: Marienkäfer, Schwebfliegen und deren Nachwuchs machen sehr zuverlässig jeder aufkommenden Blattlauskolonie ein Ende und die Spinnen besorgen den Rest. Höchst selten, dass ich da mal eingreifen muss, meistens reicht abwarten. Einzig der Kohlweissling hat mich auf Trab gehalten: erst wollte er dem armen Kohlrabi ans Leder, nachdem der nun unterm Netz wächst, attackiert er meine kleinen Radieschen. Und am Rucola hat er's auch schon versucht. Da half zeitweise nur tägliches Raupen einsammeln.

- Die schwarze Bio-Bohne hat "geliefert". Diese Woche wurde geerntet und so hat sich der einstmals kleine schwarze Bohnenkern ver40facht. Nicht lachen, es war doch nur eine einzige Pflanze... Die nachgesäten Buschbohnen wachsen tapfer, sogar neben den beiden Zwiebeln.

I Borlotti

Kräuter- und Salatbeet


- Von Basilikum und Estragon muss ich den Garten regelmäßig "freischneiden", so schnell wachsen sie. Zum zweiten Mal wanderte die Basilikumschwemme jetzt in ein Pesto (dessen simples Rezept ich eigentlich mal posten sollte...)

- Ich hab schon nicht mehr daran geglaubt, aber der Lavendel setzt Blüten an!

Außerdem mache ich noch immer tolle Makrofotos von der Gartenwelt.
Basilikumblüte

In meinem Gärtnerhirn denke ich schon manchmal ans nächste Jahr. Es gab ja mal den Traum, ein kleines Stück Land zu pachten und einen richtigen Küchengarten anzulegen. Aber inzwischen muss ich zweifeln, ob die hehre Wissenschaft und die holde Kunst mich in ausreichendem Maße freigeben würden, damit ich mein Gärtchen bewirtschaften kann. Wahrscheinlich wird es noch mindestens eine weitere Balkongemüse-Saison geben. Aber natürlich noch ausgefuchster und erfolgreicher...

Sonntag, 3. Juli 2016

Knipsen statt graben

Zu buddeln gibt es ja gerade eher wenig. Mein täglicher Gang durch den Garten besteht im Gießen, Kontrollieren, hie und da Zupfen und natürlich Ernten.

Gestern habe ich dennoch mal wieder gesät: Nach langem Überlegen will ich doch nochmal Buschbohnen versuchen, zu den Möhren, denn da ist nun so viel Platz, den kann ich nicht ungenutzt lassen. Und ein paar Kräuter hab ich nachgesät.
Die versehentlich im Zierkasten gewachsene Kamille hatte kurzerhand zwei Lobelien den Garaus gemacht, deshalb musste sie jetzt gehen. An die Stelle zog eine Japanische Scheinmyrthe. Klingt nach Schickimicki-Zen und eigentlich bin ich kein Freund von exotischen Pflanzen, aber sie sieht hübsch aus und soll angeblich bis zum Frost blühen. Davor, als Lückenfüller, versuche ich es nochmal mit Kapuzinerkresse.

Sonst genieße und staune ich vor allem über die vielen kleinen Wunderlichkeiten in meinem hortus deliciarum und habe mich aufs Fotographieren verlegt. Je kleiner das Motiv, desto besser. Mit Begeisterung dokumentiere ich die Blüten- und Tierwelt in meinem Kleinstgarten. Dabei entstehen manchmal ungewöhnliche Perspektiven und Einblicke, die ich auf der neuen Seite (oben rechts: Gartenwunder :-) teile.

Donnerstag, 30. Juni 2016

Sommerfrieden

Der Sommer entpuppt sich tatsächlich als relativ entspannte Zeit des Beobachtens in meinem kleinen Garten. Gießen und Schädlinge in Schach halten - und letzteres besorgen immer mehr die sich ansammelnden Nützlinge. Ansonsten mache ich hauptsächlich Fotos und ernte hie und da.


ansehnliche Möhrenernte
Im Übrigen sind viele Pflanzen ohne mein Zutun absolut schädlingsfrei: am Salat, den Möhren oder dem Basilikum habe ich noch keine einzige Blattlaus oder ähnliches gesehen. Auch die Radieschen und Robert sind clean und selbst die gefürchtete Bohnenlaus ist mir erspart geblieben.
der kleine Robert Kohlrabi




spacy: Borretschblüte

elegant: Borlottiblüte


zart: Radieschenblüte



Der Marienkäfer hat mir auf der Kamille ein paar Geschenke hinterlassen: Larven. Die waren so zahlreich, dass ich sie jetzt übergesiedelt habe bzw. habe übersiedeln lassen auf andere Pflanzen, denn auf der Kamille sind die Blattläuse größtenteils bereits meiner Schmierseife zum Opfer gefallen. Die Schwebfliegen danken es mir, dass ich so vieles blühen lasse: Rauke, Koriander, jetzt auch ein vergessenes Radieschen. Und die Salamibohnen bilden wunderschöne Blüten und die ersten Hülsen.


Donnerstag, 23. Juni 2016

Die kleine grüne Hölle

Meinen kleinen Abstecher hat der Garten dank Unwettern und gemäßigten Temperaturen gut überstanden. Genauer gesagt ist er während meiner Abwesenheit fast zu einer grünen Hölle gewuchert - so viel Salat habe ich noch nie auf einmal geerntet...

Kaum zu glauben. Vor etwa fünf Monaten hab ich die ersten Samenkörnchen in die Erde gesteckt. Was hab ich herumgedoktort an meinem Garten, Töpfe verschoben, Erden angemischt, Pflanzen versetzt, vorgezogen, ausgedünnt, geschnitten und geharkt. Und nun steht er da in ganzer Pracht, der kleine Balkongarten. Jeden Tag blüht etwas anderes auf, (fast) jeden Tag gibt es 'was anderes zu ernten. Mit Spannung warte ich nun darauf, dass die Salami-Bohnen blühen. Sie lassen sich Zeit, während die Buschbohnen <räusper> BuschBÖHNCHEN schon ihre Hülsen zeigen. Dafür klettern die Stangenbohnen aber ins Unendliche. Schon längst über die Stäbe hinaus, sollen sie jetzt eben wachsen, wohin sie wollen. Wenn die Ranken lang genug sind, wickel ich sie um das Balkongeländer, damit die Bohnen mit ihrem Gewicht nicht am Ende die ganze Pflanze aus dem Gleichgewicht bringen.
 

Einmal Damals/Heute-Vergleich:

Saisonbeginn (ca. Ende März)
Sommerkulturen (Mitte Juni)



Verglichen mit dem Garten-Stress zwischen März und Mai, bis dann alles mal im Beet war, ist jetzt, im Sommer, wirklich wenig zu tun außer Gießen und ein waches Auge auf die Schützlinge zu haben. Und auch die Läst- und Schädlinge haben sich nach dem ersten Überfall eingependelt. Es gibt sie, aber sie richten keinen Schaden an, da ich auch eine Menge Nützlinge habe, die regelmäßig nach dem Rechten sehen. Der Plan mit dem Geblümkes zwischen dem Gemüse ging also auf.
Doch wenn man nur noch beim Wachsen zusehen kann, kommt manchmal die Ernte-Ungeduld raus...

Noch ein paar liebevolle Eindrücke von der Sommerpracht:


Ringelblume - ungeplant zweifarbig...

Kapuzinerkresse, der beliebteste Hummelschmaus
Die Jungs von der Schädlingsbekämpfung...

Pelziger Borretsch

Freitag, 10. Juni 2016

...bin dann mal weg!

So. Jetzt muss er eine Woche ohne mich auskommen. Der Garten.
Konferenz im Ausland.
Natürlich hab ich mich um eine Gärtner-Vertretung gekümmert, die in den nächsten acht Tagen gießt und die Gewächse gegen Blattlaus & Co verteidigt. Aber trotzdem werde ich morgen Abend mal lieber alles soweit abernten und zurückschneiden, das ein oder andere schon mal konservieren, bevor es vom Unwetter platt gemacht, von Läusen zerfressen oder von der Sonne verbrannt wird. Die letzten Jungpflänzchen kamen daher jetzt noch schnell ins Beet.
Und es sah zeitweilig schlimm aus auf dem Balkon:



Erntemeldung des Tages:
Das erste ernstzunehmende Möhrchen! Ein weißes, und wie ich es so überblicke, habe ich hauptsächlich weiße Möhren im Topf. Nun ja, seltsame Saatgut-Mischung.

Meine Zwergbohnen blühen bzw. sind verblüht und haben nun ganze drei Bohnenhülsen. Drei. Es wird Haute-Cuisine, dann sieht die Portion nicht lächerlich, sondern schick aus...





Und die Bio-Mrs Unbekannt-Bohne blüht wunderbar:

Weniger wunderbar ist die Blattlaus oben links im Bild...


In diesem Sinne!



Donnerstag, 2. Juni 2016

GARTENSTATUS - laaangweilig!

Genau genommen gibt es gerade nichts zu tun. Abgesehen von einer Blattlausinvasion, die ich mit Schmierseife niedergemetzelt und anschließend die betroffene Petersilie niedergemäht habe.
Sonst gibt es aber nichts zu tun, außer beim Wachsen zusehen und abwarten.
Der Garten ist eigentlich schrecklich chaotisiert. Durch das unbeständige Wetter schiebe ich den gesamten Garten immer wieder in Unwetterposition und wieder zurück. Und diverse Platzregen haben auf den Stühlen und dem Tisch einen fiesen Pollenbelag hinterlassen. Aber solange es so unentschlossen bleibt, lohnt das Aufräumen nicht.



Wer hätte es gedacht, aber ich bin gerade ein Salat-Selbstversorger! Den letzten gekauften Salat habe ich nur mit Mühe vor dem Welken aufessen können, denn in meinem Garten wächst er unaufhaltsam. Mit "Salat" meine ich dabei nicht das eigentliche Blattsalat-Gewächs, sondern alles Blättrige, was sich als solcher verwenden lässt: Radieschengrün, Spinat, Rauke, diverse Kräuter.
Mein einzelner blühender Spinat ist übrigens ein Mädchen, hab ich festgestellt. Neulich hab ich gelesen, dass es da Männchen und Weibchen gibt. Mmh, da hab ich wohl einen chancenlosen Single geschaffen.

Nur die Buschbohnen fangen an, mich zu nerven: sie sind mickrig und wachsen nicht, dafür hat die violette Bohne jetzt Blüten angesetzt. Hallo?! Was soll das sein? Not-Blühen? Wie wäre es mal mit Blätter ausbilden und größer werden??? Bei der Größe werde ich drei Bohnenhülsen ernten.
Bisher ein totales Fail-Gemüse. Vielleicht haben sie die Wohngemeinschaft mit den Radies nicht vertragen, deshalb hab ich die jetzt mal größtenteils rausgezogen.

In meiner Gärtner-Langeweile hab ich weitere Gelbe Bete gesät.  Ich finde, die Rübe an sich ist ein unterschätztes Gemüse...

Die Rauke blüht. Jetzt ist mir auch klar, warum sie "Kreuzblütler" heißen:

Donnerstag, 26. Mai 2016

Gartenstatus!

Sonne - raus in den Garten. Generalprobe ist erst um 16:00, davor kann man noch schnell 'was auspflanzen.

Der GARTENSTATUS

Meine Bohnen beginnen - endlich - zu ranken. Faszinierend, wie sie über Nacht sich so gedreht haben, dass sie jetzt um die Stangen winden.
Dem Liebstöckel hab ich etwas mehr Beinfreiheit verschafft und ihn umgetopft.
Meine Möhren haben wahnsinnig viel Kraut, aber ich sehe noch keine Rüben, wenn ich ein bisschen in der Erde grabe... komisch.
Es wächst etwas im Schnittknoblauch-Topf. Ich habe aber den Verdacht, dass es kein Schnittknoblauch ist, sondern irgendein anderes Pflänzchen, dass den Topf als Heimstatt attraktiv fand.

Ein paar Eindrücke:

 Buddel im Garten ;-)






Zwergenaufstand

Zwergzikaden. Es sind  Z W E R G Z I K A D E N.

Zikaden rufen bei mir eigentlich seelige Erinnerungen an Tage in der Provence hervor, aber was mir da aus der Petersilie entgegenkam, ließ mir schlagartig ein Licht aufgehen: die weißen Flecken auf den Bohnenblättern sind Saugschäden von Zwergzikaden.
Ich hatte schon einmal einen kurzen Moment daran gedacht, da ich aber absolut kein Tierchen finden konnte...

Nun denn. Noch ein Viech im Garten. Gegen Zwergzikaden gibt es wohl nur wenig probate ökologische Maßnahmen, sie scheinen aber auch nicht zu den aggressiven Schädlingen zu gehören.
Ich warte jetzt mal ab, wie es mit den Bohnen weitergeht. Als akute Maßnahme und um festzustellen, ob es denn überhaupt viele sind, hab ich mal eine Geldbtafel in den Bohnentopf gesteckt. Mit schlechtem Gewissen natürlich.

Zwergzikaden, nicht zu fassen....

Dienstag, 24. Mai 2016

Gärtnern 1930 (oder für Hipster: Retro-Gardening)

Ab morgen stecke ich wieder komplett in Proben und Konzerten und mein Garten muss bis Montag mit Minimalpflege auskommen. Mein Blog auch. Deshalb hier noch ein paar Gedanken, die mir auf meiner Zugfahrt am Sonntag kamen:

In der Vorkriegszeit gleichte der Gemüseanbau dem heutigen biologischen Gärtnern. Chemischer Pflanzenschutz war nicht üblich, Selbstversorgung das Ziel, es gab eine geringere Sortenauswahl aus natürlicher Züchtung. 
Neuerlich meine Oma (*1921) befragt, die meine erfahrenste Kompetenz fürs biologisch-historische Gärtnern ist, wie denn die Ausfallrate im Garten war - damals, in den 20ern und 30ern: „Es lief eigentlich immer. Aber wir hatten ja auch einen richtig großen Garten und noch ein Feld, da fielen kleinere Ausfälle nicht so auf. Wir hatten auch Netze über den Möhren und dem Kohl [Netze aus Flachs, wohlgemerkt]. Und wenn die Schnecken die Erdbeeren gefressen hatten, hatte man halt Pech.“
Sie kann sich auch noch an Jahre von Kartoffelkäferplagen erinnern, wenn des nachts die ganze Familie mit Lampen aufs Feld zog und die Käfer einzeln absammelte. Gleiches galt für Schnecken. 
Derlei hört man auch heute von den Bio-Gärtnern. Auch altgedienteLagermethoden erleben heute ein Revival: Im Haus gab es im Keller keinen festen Boden, sondern nur gestampfte Erde. Das erzeugte ein lagerfreundliches Klima für Obstregale und es gab „Sandbeete“, wo Rüben, Beten und Möhren vergraben wurden. Für den Winter hat man Sauerkraut gemacht und Gemüse eingekocht. Was mich überraschte: damals war es gar nicht unüblich, selber Blechdosenkonserven (!) einzukochen. Von den Aktionen „wir haben manchmal ein halbes Schwein gekauft und daraus Wurst und Fleischkonserven gemacht“ will ich jetzt als Vegetarierin nicht anfangen.

Es geht mir gar nicht um eine „früher war alles besser“-Message. Wenn man das gegenüber meiner Oma behauptet, bekommt man vehementen Widerspruch zu hören, denn moderne Erfindungen wie Zentralheizung, Waschmaschine, Kühlschrank, Elektroherd und Medien haben das Leben laut ihrer Aussage wesentlich angenehmer und einfacher gemacht. Auch ihren Garten hat sie vor etwa 20 Jahren aufgegeben und kein Problem damit, im Supermarkt und auf dem Wochenmarkt ihre Lebensmittel zu kaufen. 
Aber nach rund 40 Jahren Nahrungsmittelindustrie und konventioneller, Chemie- und Gentechnik-gestärkter Landwirtschaft, zahlreichen Lebensmittelskandalen und Erkenntnissen über die Negativfolgen für Umwelt, Tier und Mensch gibt es ein spürbares Bedürfnis, punktuell – wie z.B. bei der Erzeugung des eigenen Gemüses – wieder zurück zu altbewährten bzw. nachhaltigeren Methoden zu kehren, soweit es sich denn mit unserer modernen Lebenswelt vereinbaren lässt.
Ehrlich gesagt, sind auch die Probleme ähnlich: Bio-Erzeugnisse sind teurer, nicht jeder kann sie sich in entsprechender Menge leisten. Ebenso gibt es nicht überall nahe Bezugsquellen dafür (der nächste Wochenmarkt lag auch für meine Oma damals 20km entfernt...). Für hochwertiges, gesundes Gemüse lohnt es sich also durchaus, sich die Hände schmutzig zu machen. Vielleicht nicht zur Selbstversorgung, wohl aber als Grundlage oder als Extra-Portion.

Wenn man eine essbare Pflanze mal selbst gesät, aufgezogen, aus der Erde geholt und verspeist hat, stellt man sich zuerst jede Menge Fragen hisichtlich der Lebensmittelindustrie. Dann werden einem einige Dinge klar. Und dann macht man manches anders.

Montag, 23. Mai 2016

Krankenakte

Jetzt habe ich mal Fotos gemacht von meinen Sorgenkindern...

Die weißen Flecken auf den Bohnenblättern, die inzwischen auch anfangen an den Rändern zu vertrocknen und irgendwie wellig zu werden.



Und der Basilikum. Von den insgesamt fünf Pflanzen im Topf sind aber nicht alle betroffen, deswegen wäre es umso wichtiger zu erfahren, was los ist.


Jemand eine Idee?

Gärtner-Seelsorge


Nee, es geht nicht um therapeutisches Gärtnern, um der geschundenen Seele des naturfernen Stadt- und Büromenschen Gutes zu tun.Es geht mir heute hier um den Gärtner, der mit Herzblut seine Beete pflegt, liebevoll täglich seine Pflanzen hegt und der eher zu viel als zu wenig Gedanken dem Wohl seines Grünzeugs widmet. Diesen Gärtner-Typus trifft es denn auch am härtesten, wenn's im Beet kriselt.Ich habe mich schon selbst ertappt, wie ich im Angesicht eines aufkeimenden Problems den Tränen nahe war. Wieso in meinem Garten? Wieso nicht auf dem Nachbarbalkon?? Bin ich eine schlechte Gärtnerin? Habe ich nicht genug aufgepasst? Etwas übersehen?

Es ist das Hadern mit dem bloßen Schicksal einerseits, aber auch die Selbstzweifel und – was ich am schlimmsten finde – die RATLOSIGKEIT. Wenn man hilf- und ahnungslos zusehen muss, wie die zukünftige Ernte dahinschwindet und das Problem einfach nicht identifizierbar ist. Das Essen stirbt mir sozusagen unter den Händen weg und ich sitze am Beetrand und muss zusehen...

Das sind die schlimmsten Momente im Garten-Leben. Und niemand spricht gerne darüber, denn man will sich und schon gar nicht dem anderen Gärtner gegenüber eingestehen, dass es nicht rund läuft im Beet. Jeder möchte den blühenden Hort, die reiche Ernte, wo die Radieschen nur so aus der Erde ploppen und die Sommerblumen um die Wette strahlen.



Seid ehrlich, die Wahrheit sieht anders aus. In der Realität kommt es mir manchmal wie ein dauerhafter Darwinistischer Kriegszustand vor: täglich muss man sich erwehren gegen Krankheiten, Schädlinge, Wettereinflüsse. Jeder will einem ans Gewächs, sei es ein Krabbeltier, ein Pilz oder ein Virus – und sie wollen ja eigentlich alle nur das eine: überleben und ihre Art erhalten. Man ist fast versucht, Verständnis aufzubringen, aber letztlich bin ich als Kultivierer ein Teil dieser unerbittlichen Überlebensschlacht. Wer milde ist, verliert. Ein Bio-Garten ist Überleben des Stärkeren in Reinkultur, face to face, mit einfachsten Waffen.
Wären wir die Krone der Schöpfung, müssten wir diesen Kampf nicht stets gewinnen?

Ok, genug Drama.

Eigentlich wollte ich ja einfach nur mal über mein Garten-Weh sprechen.

Mein großer Coup in meinem kleinen Hortus felix ist die Bohnenkultur. Mit insgesamt einem Dutzend (!) Pflanzen wollte ich an der Bohnen-Selbstversorgung kratzen. Alles fing so gut an, die Keimrate war hoch, die Pflänzchen stark, als ich sie auspflanzte. Und dann ging's los: erst bricht starker Wind auf meinem sehr exponierten Balkon dem einen Buschbohnen-WInzling die beiden größten Blätter ab. Dann kam ein Wachstumsstillstand. Sie scheinen sich keinen Zentimeter mehr zu bewegen. Liegt es an den Radieschen, die auch (noch) im Topf sitzen?

Und von den Stangenbohnen hab ich ja bereits berichtet... Nur die wackre Biobohne, die bewundere ich mit größtem Respekt, hatte ich Bio-Saatgut doch prinzipiell für empfindlicher und weniger ertragreich gehalten – aus dem naiven Glauben heraus, sie seien ihrer Wildform näher oder einfach nicht so ausgezüchtet.

Über das Trauerspiel im Basilikumtopf mag ich gar nicht mehr erzählen. Kamille und Ringelblumen sind auch in den Stand-by-Modus gewechselt. Ausdünnen, düngen, alles nix genutzt. Liegt es an den paar Tagen trübem Wetter, dass sich nix mehr bewegt??? Auch die Radieschen sind wachsfaul geworden.

Vielleicht ist es wieder meine Ungeduld. Oder mein Unwissen in meiner ersten echten Gartensaison. Denn so viel wie ich auch gelesen habe – Lesen ist ja meine Generalwaffe gegen alle Probleme – Erfahrung habe ich nun mal nicht besonders viel. Muss mich nervös machen, dass Robert, mein Kohlrabi, erst vier Zentimeter hoch ist? Und die gelben Beten noch kleiner?

Herrje, ich bin so ahnungslos und sorgenvoll...

Ich weiß, ich sollte nicht so viel jammern. Es gab eine prima Spinaternte und die erste Runde Radieschen war klasse. Petersilie und Salatrauke wachsen tadellos und die Möhren lassen bisher Gutes hoffen.

Perfektionismus ist, glaube ich, unangebracht im Bio-Garten. Nicht jedes Samenkorn wird die perfekte Pflanze hervorbringen. Das Suboptimale ist fester Teil des Gartenlebens.

Freitag, 20. Mai 2016

Weiße Flecken, schwarze Flecken, und was sonst noch im Beet los ist...

Ein Garten muss anscheinend manchmal weh tun. Wie Kinder. Oder Haustiere. Oder eine Beziehung.

Ich bin ratlos und hätte ich nicht gerade anderweitig so viel um die Ohren, würde ich mich wahrscheinlich schrecklich aufregen:
Schwarze Flecken auf dem Basilikum. Oder besser gesagt grau-braun und wie im Blattinneren. Nein, keine Thripse. Egal, wie ich die Pflänzchen drehe und wende, in der Erde wühle, nirgends Tierchen. Rein gar nichts. Einfach nur graue Flecken, die man zuerst nur schwach und gegen das Licht sieht, dann auch auf der Blattoberseite.
Letztes Jahr hatte ich das auch und ich dachte irgendein blöder Virus, weil die Pflanzen zu dicht stehen oder so. Und jetzt wieder.
Frust.

Und dann die Bohnen. Die Stangenbohnen haben weiße Flecken auf den Blättern und angetrocknete Blattränder. Das erinnert mich an meine Tomaten letztes Jahr, das ging nicht gut aus. Der einzige, der immer noch unbeeindruckt fröhlich im Bohnentopf sitzt, ist meine Inkognito-Biobohne. Scheinbar ist sie robuster.
Ich sollte mal ein Foto von den Flecken machen...
Im Internet hab ich nichts gefunden, keiner kennt die grauen oder weißen Flecken. Und da ich keine Schädlinge finde, hoffe ich das Beste und warte ab.
Für den Basilikum habe ich aber wenig Hoffnung und vermute sogar, es liegt am Saatgut. Billiges Supermarkt-Saatgut. Ich gehe daher in die Offensive und habe heute Bio-Basilikum gesät. Bei den Bohnen scheint der Bio-Vertreter ja auch der gesündeste zu sein...

Eine fast schon vorhersehbare Frust-Nachricht: kein Schnittknoblauch in Sicht. Auch die in Wasser gelegten Samen rühren sich nicht. Wenn man mich fragt, ist das Saatgut schlicht nicht keimfähig.

GARTENSTATUS
Aber ein paar gute Nachrichten gibt es auch: Der Oregano-Steckling hatte nun genug Wurzeln zum Auspflanzen und der Lein ist ja so hübsch aufgegangen:
Als Tiefwurzler hab ich ihn in eine aufgeschnittene PET-Flasche gesetzt. Bin mal gespannt, was daraus wird.

Und nun noch der Blick ins Wechselbeet:
Die übrigen Spinatpflanzen, die eine blühende Spinatpflanze, dazwischen einzelne Hälmchen: Möhren. Mit rot-grünen Blättern der Salat, flankiert von den beiden übrigen Rucolapflanzen. Oben Mitte-links, die Halme, das ist Dill. Irgendwo sitzt auch noch ein einzelnes Petersilienpflänzen, das da hingefallen und angewachsen ist...





Sonntag, 15. Mai 2016

Schichtwechsel

Bei den Blattgemüsen war heute der große Zapfenstreich: die erste Generation Spinat wurde abgeerntet und ausgebuddelt. Bis auf eine Pflanze: die lasse ich wachsen, weil ich sie blühen sehen möchte.

Den Platz nehmen jetzt Blattsalat und Möhren ein und dazwischen wachsen die jüngeren Spinatpflanzen noch eine Weile weiter. Auch von der Rauke habe ich mich jetzt größtenteils getrennt, denn sie hat die irrwitzigsten Blattformen entwickelt und fing an, bitter zu schmecken.


Der Lein ist übrigens brav aufgegangen, dafür lässt sich der Schnittknoblauch nicht im Geringsten blicken. Ich versuche jetzt, Sprossen vorzuziehen, aber scheinbar mögen mich Zwiebelgewächse einfach nicht: mein Schnittlauch war ein Witz aus drei Grashalmen, die Lauchzwiebeln sind nur zur Hälfte gekeimt und wie gesagt, der Schnittknoblauch macht mich ärgerlich. Ich bin versucht, einfach eine Knoblauchzehe in die Erde zu stecken und zu schauen, was passiert...

Freitag, 6. Mai 2016

Here comes the sun

GARTENSTATUS 9.5.
Da gärtnert man monatelang am Vegetationsminimum, freut sich über jeden eingebildeten Wachstumsfortschritt, jede frostfreie Nacht und jeden Sonnenstrahl einzeln - dann scheint fünf Tage am Stück die Sonne, die Temperaturen steigen auf 20° und schon mutiert der Garten zur grünen Wildnis. Naja fast: Spinat wächst im Überfluss, Dill und Möhren lassen sich dazwischen auch schon blicken (9.5.). Eine vergessene Stangenbohne im Topf legte einen grandiosen Soloauftritt hin. Die Gelbe Bete keimt zwischen den neugesäten Radieschen, mein "Robert" getaufter Kohlrabi wächst und sogar Liebstöckel gab sich schlussendllich die Ehre und tauchte aus der Erde auf.

Meine evakuierten Stangenbohnen sind im Wohnzimmer regelrecht explodiert. Sie wollten raus an die Luft, aber ich zögerte - die Eisheiligen... Noch eine Woche halten sie es in ihren Pappröllchen aber wohl nicht aus, deshalb hab ich sie heute trotz schon sinkender Temperatur umgesiedelt.

Man denkt immer, es könnte einem nichts mehr Neues für den Garten einfallen, er ist schon perfekt... da zuckt der nächste Geistesblitz durchs Bild: heute habe ich Lein gesät, also Leinsaat aus der Küche geholt und auf frische Erde gestreut. Schauen wir mal, was daraus wird.

Zwar achte ich noch immer auf die Zusammenstellung der Pflanzenfamilien, aber mein kleiner Garten hat sich inzwischen zu einer Chaosmischkultur entwickelt

Gärtner-Roulette


und Gedanken zu Erste-Welt-Problemen

Es ist soweit: die erste Radieschenernte! Bisher gab es ja nur ein paar Kräuter und hin und wieder eine Portion Spinat, aber jetzt! Jetzt gibt es mal etwas zu beißen: die Radieschen drängten sich zur Ernte.

Zwischen die Reihen junger Radieschen wurde sogleich neu gesät, dazu gesellt haben sich vier gelbe Bete und in der Mitte bleibt Platz für eine Kohlrabiknolle, die – tadaa – in der Anzuchtschale schon ihre beiden ersten Blätter ausgestreckt hat. Der Spinat hat jetzt auf „Produktion“ umgestellt und wächst wie irre, ich könnte alle drei Tage ernten.

Soweit das Gartenglück.

Es passierte, als ich mal wieder verträumt im Garten saß und die Pfanzen beim Wachsen beobachtete: eine sehr verdächtige, kleine weiße Raupe im Topf bei den frisch gesäten Stangenbohnen. Das kann doch nicht wahr sein! Da sähe ich in einem einzigen Topf auf einem Balkon im Wohngebiet Stangenbohnen und schon ist die Bohnenfliege um die Ecke?!? Bohnenalarm! Sofort evakuierte ich die gesäten Bohnenkerne in meine Anzuchtstation in neue Erde und säte gleich nochmal neue zusätzlich, sicher ist sicher. Die anschließende Recherche um die böse bohnenfressende Fliege erklärte auch den Wachstumsstillstand und die deformierten Blätter an zwei meiner Buschbohnen, die ich daraufhin aus dem Topf nahm. Weitere Opfer.

Wenn ich ehrlich sein soll, frage ich mich, wie die Menschheit so lange überlebt hat. Es kann so viel schief gehen beim Gemüseanbau, man muss sich gegen so viele Konkurrenten zur Wehr setzen, die einem das Essen streitig machen. Dazu kommen Pflanzenkrankheiten. Und vom Wetter hängt man auch noch ab. Genau genommen ist Gemüseanbau ein Glücksspiel.
Meine 95jährige Oma, die die Welt noch ohne Plastik, Waschmaschine, Kühlschrank, Supermarkt und eben auch ohne Pflanzenschutzmittel kannte, antwortete darauf angesprochen lapidar „Dann hatte man halt weniger zu essen.“
Wie jetzt?!
Nutzgärtnern flößt einen enormen Respekt ein. Weniger vor der Nahrungsmittelindustrie mit ihren vielen technischen und chemischen Hilfsmitteln, sondern vor den Zeiten, in denen es das alles nicht gab oder aber den Ecken der Welt, in denen es das bis heute nicht gibt. Die ständige, nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, auch außerhalb ihrer Saison, gehört viel zu selbstverständlich zu unserer Lebenswelt und hat uns völlig verhätschelt.Würde ich von meinem eigenen Gemüse leben müssen - abgesehen von meiner viel zu kleinen Anbaufläche – ich bekäme Existenzängste.
Im Januar und Februar habe ich mal versucht, nur von dem zu leben, was aus dem einheimischen Gemüseanbau saisonal oder aus der Winterlagerung verfügbar war. Mein Speiseplan bestand hauptsächlich aus Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Kohlsorten, mehr Porree als mir lieb war, Feldsalat und lagerfähigem Obst. Eintönig, wenn man es mal einige Wochen durchhält. Und viele Gemüsekonserven finde ich grauenvoll, weshalb ich sie verschmähte. Ich habe schmerzlich mein Sommergemüse wie Tomaten, Zucchini und Auberginen vermisst, oder mal eine Banane... aber es wurde mir ganz komisch, wenn auf dem Etikett zu lesen war, wie weit das Gewächs gereist war.

Man sieht sein Radieschen mit anderen Augen, wenn man es selbst aus der Erde zieht.
Aus dem Laub habe ich übrigens ein sehr leckeres, würziges Pesto gemacht, dass meine Salatdressings veredelt. Nichts vom Radies soll übrig bleiben.

Montag, 2. Mai 2016

Buddel und das Bohnengerüst

<stolz>
Meinen Salami-Bohnen habe ich ein patentes Rankgerüst gebaut, das - in meinen Augen - auch noch schick aussieht. Wenn die Böhnchen in der Erde versenkt sind, kommt der Topf in die Ecke neben den Spinat.


Ist schief, ich weiß, aber das ist gewollt (wirklich...). Denn das Gerüst wird an das Geländer gelehnt und die Bohnen sollen dann teilweise auf die Geländerstäbe umgeleitet werden. Im Topf sitzt bereits meine Inkognito-Bohne, von der ich nichts weiß, auch nicht, ob sie jemals ranken wird (gibt es eine Möglichkeit, an der Jungpflanze zu erkennen, ob es eine Stangen- oder Buschbohne ist???)

Ach, wie wunderbar grün und wild verwachsen sieht mein Balkon vor meinem geistigen Auge im Sommer aus...