Samstag, 30. April 2016

Rot sehen statt bunt

Es ist Samstag, ein klassischer Gartentag. Zur Zeit habe ich ein paar Tage Urlaub und insofern etwas mehr Zeit zum Buddeln, aber so ganz hält es mich ja trotzdem nicht aus dem Büro...

Sonnenschein, Vogelgezwitscher... raus in den Garten. Im Wohnzimmer entstand mittlerweile ein gewisser "Pflanzdruck": durch den Kälteinbruch stapelten sich die eigentlich auspflanz-bereiten Sprösslinge auf dem Gartenregal und die kälteschutzbedürftigen Pötte ragten tief ins Wohnzimmer hinein und sorgten für Stimmungsschwankungen bei den Mitbewohnern. Sorry.

GARTENSTATUS
Heute durften deshalb viele ausziehen: die Bohnen, der Thymian, noch mehr Basilikum und die überzähligen Kräuterpflänzchen verteilte ich hier und da, wo eben Platz war.
 

Ausgesät habe ich Bohnenkraut unter die Bohnen und weitere Möhren im Möhrenpott und zwischen den Spinat - die Möhren brauchen ja ohnehin ewig, bis sie sich blicken lassen.
Endlich habe ich auch meinen Allerlei-Kräutertopf angelegt:
In der Mitte eingegraben der Schnittknoblauch, den ich jeden Tag misstrauisch beäuge, weil er gefälligst mal keimen soll.
Rundherum: Petersilie, Basilikum, eingesät: Kerbel, Estragon, Majoran, glaube ich... wir werden sehen.

Der Aufreger dieses beschaulichen Morgens waren wieder mal die Radieschen. Inzwischen erkennbar: sie sind alle gar rot. ALLE. Rot statt bunt. Ich habe nochmal die Samentüte rausgekramt, da steht "bunte Mischung".
Ich bin ein wenig verstimmt.
Saatgut für bunte Radieschen hat ja schließlich auch einen Schi-Schi-Aufschlag im Preis und schnöde rote Radieschen bekomme ich auch im Supermarkt... Gab es einen Fehler beim Abfüllen des Saatguts?!? Ich denke mal, auch ein Radieschen hat sowas wie eine genetische Vordisposition und kann nicht spontan zum roten Standard-Radieschen mutieren.
Nein, natürlich, kein Radieschen sollte wegen seiner Schalenfarbe diskriminiert werden. Sie werden auch weiterhin gehegt und gepflegt, sollte es aber wirklich kein einziges irgendwie anders gefärbtes Radieschen geben, werde ich zumindest mal bei Gärtner Pöttschke anfragen, welchen Erklärungsversuch sie mir anbieten können.

Wenn jetzt noch der Postmann klingelt und mir das Saatgut für die Salami-Bohnen bringt, bin ich flott wieder draußen. ;-)

Donnerstag, 28. April 2016

Hallo, Gemüseeule

"HA!" entwich es mir, als ich heute die einzelne, angenagte Spinatpflanze genauer angeschaut habe: Da ist sie, die winzige grüne Raupe. "Eine Gemüseeule!" ruf ich ins Wohnzimmer und ein sehr ungläubiger Blick trifft mich. Ich weiß genau, dass vor Monsieurs geistigem Auge in dem Moment ein herbivores Federvieh auftauchte... Wie dem auch sei, bis ich meine Bonsai-Kelle rausgekramt hatte, um die Raupe einzufangen und umzusiedeln, war sie natürlich verschwunden. Immerhin ist jetzt das Rätsel von den kreisrunden Löchern im Spinat geklärt.
Inzwischen überlege ich, ob ich sie nicht gewähren lasse: es ist eine einzelne kleine Raupe, die immerhin den Anstand hat, sich seit Wochen auf eine einzige Pflanze zu beschränken. Ich käme mir irgendwie kleinlich und arg geizig vor... Wie gesagt, der "Gemüse-Zehnte" im Bio-Garten. Schauen wir mal, wie es weitergeht, und ob sie ihre Verwandten noch mitbringt.

Im Spinat ist es übrigens übersichtlich geworden: Heute hab ich mal alles, was als "Baby-Leaf" (schreckliches Wort) durchgeht, abgeerntet und meinen ersten eigenen Spinat kulinarisch veredelt: Spinat-Ricotta-Ravioli - meine Antwort auf die Supermarkt-Convenience-Version, die mich vor zwei Wochen das Grausen lehrte. Da es zugegeben eine Mini-Ernte war, will ich darüber auf meiner Rezepte-Seite kurz berichten.

Ansonsten war heute - dem ersten Tag, der wieder an Frühling erinnerte - die Ungeduld so groß, dass ich ein "Probe"-Radieschen aus der Erde ziehen musste. Sogar Monsieur kam für dieses Ereignis auf den Balkon. Spannungsmoment - Ernüchterung: Mustergültiges Kraut, aber winzige, immerhin runde Knolle. "Also, da hätt' ich jetzt mehr erwartet..." Danke, solche Kommentare braucht das Gärtnerherz, du Zaungast!
Es dauert also wohl noch.

Wer säen kann, ist glücklich: Vor lauter Übermut, dass die Sonne wieder strahlt, hab ich heute ein bisschen Dill eingesät, 1 Kohlrabi und eine Schale Kresse.

Garten - es gibt immer was zu tun :-)

Dienstag, 26. April 2016

Rezepte für Gartenverlierer

In vielen Garten-Blogs gibt es auch Rezepte, was man denn Tolles mit der Ernte machen kann.
Nun denn, ich bin selber gar kein typischer Rezepte-im-Internet-Sucher. Aber wenn es darum geht, wie man die eigene Ernte möglichst in allen Teilen verwendet - oder aus einem Gartenunfall noch irgendwas Sinnvolles macht - sehe ich es ein, dass es praktisch ist.

Deshalb will ich mich dem Trend anschließen, jedoch unter dem Motto  

"Wie hol' ich alles aus meinem Gemüse raus, selbst wenn es misslungen ist?"

Denn es ist ja nun mal harte Garten-Realität, dass Radieschen auch mal eher dünn als rund werden, der Spinat angefressen ist und der Bohnenstrauch mal nur eine Handvoll Hülsen abwirft.

Über meine Methoden, trotzdem Trost zu finden, möchte ich hier berichten und lege dazu eine Seite rechts bei den Beetthemen an :-)

Leise rieselt der Schnee

Da sitze ich nun, mit meinem Kaffee an der Balkontür, und schaue ungläubig nach draußen: dichtes Schneegestöber, das meinen Balkongarten von einem fast schon aufgeblühten Frühlingshort langsam in eine vorweihnachtliche Winterlandschaft verwandelt. Das Thermometer zeigt schlappe 2°C. Fast produziere ich meinen eigenen Tiefkühlspinat...


Nachts um halb eins hätte man mich vorgestern im Pyjama auf dem Balkon sehen können: als es nämlich anfing zu schneien, hatte ich nicht mehr die Ruhe, die Lobelien und die Arzneipflanzen ungeschützt rumstehen zu lassen und habe soweit es ging, alles verpackt und einiges andere mit rein genommen. Die warmen Plätze im Wohnzimmer sind begrenzt, deshalb blieben die harten im Garten draußen...

Noch bis Donnerstag soll das so weitergehen.
Ich verschwinde jetzt ins Büro; dieses Elend kann man ja nicht mitansehen...

Freitag, 22. April 2016

Radieschen-Sorgen, Kältealarm und Spinat-Bohnenkraut

Am Wochenende ist Schluss mit eitel Sonnenschein, zurück zum Spätwinter.
5°C.
AM TAG.
Und in der Nacht sogar unter 0.
Ich hatte in Gedanken schon die Bohnen ausgepflanzt...
Also alles zusammenrücken, Gruppenkuscheln unter Pflanzkübeln. Und die Sensibelchen kommen ins Haus.

Vorgestern hab ich mir die Radieschen angesehen und bin ins Grübeln gekommen, warum bilden sie noch keine Knollen? Die aufsteigende Unruhe habe ich mit Internetrecherchen auszuräumen versucht, aber das gibt es wirklich: Radieschen mit Knollenhemmungen! Über die Gründe herrscht Uneinigkeit: Lichtmangel, zu viel Wasser, zu wenig Wasser, zu viel Nährstoffe, zu wenig, falsche Jahreszeit, falsche Sorte... ich kann es mir aussuchen. Oder bin ich einfach wieder zu ungeduldig und die Herrschaften sind einfach noch nicht soweit? Warten wir's ab, und schlimmstenfalls... Radieschengrün kann man ja schließlich auch essen.

Wo ich Bohnenkraut gesät habe, ist übrigens Spinat gewachsen. Keine Ahnung, wie das wieder passiert ist...
Nach einer Woche kam mir der Keimling verdächtig bekannt vor und inzwischen sieht die primäre Belaubung definitiv nicht wie Bohnenkraut, dafür aber umso mehr nach Spinat aus.

GARTENSTATUS
Schnittknoblauch ist heute im 3. Versuch gesät worden. Jetzt aber. Irgendwann muss er doch keimen. Aus einer Laune heraus - gestern war der vorerst letzte schöne Sonnentag - hab ich am Abend einfach mal die Salatsprößlinge zum Spinat gesetzt, mal schauen, und in einen stabilen Plastikpott, der mal die Verpackung von Feldsalat war, hab ich eine zweite Runde von dieser fantastischen Salatrauke gesät.

Ich geb's zu, es hat was von Chaosgärtnern.

Sonntag, 17. April 2016

Der Traum vom Gartenplaner

Ein Tool oder eine Software, um den eigenen Bio-Garten zu planen, egal welche Form oder Größe er hat. Und dabei die ausgeklügelste Mischkultur und Fruchtfolge beachten.
Ein Traum. Vor allem für Kleinst- und Balkongärtner, die eben wirklich jeden Zentimeter und eine möglichst lange Saison mit Vor- und Nachkultur nutzen wollen.

Gartenplaner? Gibt's doch längst!
Klar, gibt es, aber alle die ich kenne, haben irgendwelche Nachteile und sind nicht so präzise wie Bleistift und Papier, nicht so intelligent wie der Gärtner oder einfach unpraktisch für kleine Flächen.

Mein Traum wäre ein Beetplaner, der auf die Bedürfnisse von Klein- und Kleinstgärtner abgestimmt ist und auch für Balkon- und Containergärten einsetzbar ist, damit man den begrenzten Platz durch gute Planung perfekt ausnutzt, und der es einem erleichtert, dabei die Grundregeln von Mischkultur und Fruchtfolge zu beachten, ohne für sämtliche Nutzpflanzen die Familie auswendig zu lernen...
Hinzu kommt, dass er flexibel sein muss und im Laufe der Saion auch Planänderungen zulässt.


ZIEL: ein Beetplaner, der die wichtigsten Pflanzen enthält, den Mindest-Platzbedarf, die Pflanzenfamilie und den Nährstoffbedarf anzeigt.
Für Kleinstgärtner ist nämlich nicht nur wichtig, was in welchem Bereich gepflanzt wird, sondern auch exakt wie viele Pflanzen gepflanzt werden können. Bei wenig Platz ist es ein Unterschied, ob ich nun drei oder sechs Kohlrabi unterbringe.


Also habe ich mir Folgendes ausgedacht:
Ich habe "Gemüsekarten" entworfen: Mit einem Graphikprogramm habe ich Karten in verschiedenen Formaten entworfen, die jeweils quadratisch und in Kreisform den Platzbedarf einer Pflanze anzeigen, im Maßstab 1:10. Beispiel: ein Tomatenstrauch hat einen Platzbedarf von 60cm, seine Pflanzkarte ist also 6cm im Durchmesser bzw. Kantenlänge. Auf diese Karte ist die Pflanze abgebildet und die Bezeichnung in einer Farbe, die der Familie zugeordnet ist (also z.B. lila für Nachtschattengewächse). Durch ein bis drei Plus-Zeichen wird der Nährstoffbedarf angegeben. So sieht man auf einen Blick, in welche Parzelle die Pflanze muss, ob sie sich mit der Vorkultur verträgt und wie viele Exemplare ins Beet passen.

Einfaches Beispiel: Basilikum (gelb= Lippenblütler, + = niedriger Nährstoffbedarf), Platzbedarf  20cm (=2cm in der Graphik)

 
Der runde Platzbedarf ist der realistischere und somit gültige, aber die eckige Form ist manchmal für die Planung praktischer. Bei größeren Karten kann man dann in die Zwickel noch irgendwas säen...

So weit, so gut. Aber wie wendet man das praktikabel an?

Relativ einfach zu realisieren ist das in der Print-Version: PDFs machen mit jede Menge Pflanzenkarten, ausdrucken, ausschneiden und los geht das "Karten legen". Macht sicher Spaß, hat aber zwei Nachteile: zum Einen ist es eine ziemliche Friemelei, vor allem die kleinen Gemüse auszuschneiden (eine Radieschenkarte mit 5mm Kantenlänge...), zum anderen genügt ein Windhauch und das Beet ist auf dem Papier hinüber, wenn man es nicht gleich festklebt (was man in der Planungphase ja nicht unbedingt tut).


Deshalb wäre eine Computerversion deutlich bequemer. Hier kann man zwischenspeichern und mit einem Mausklick ein Gemüse verschieben, umplanen, noch einen Fehler finden und so lange umstellen, bis das Beet wirklich perfekt ist.
Ein Traum wäre eine einfache Software, in dem man per Drag&Drop die Gemüsekarten auf ein Beet ziehen kann, das man vorher in beliebiger Form und Größe anlegen kann - also größtmögliche Flexibilität. Und man kann ohne Konfetti ausschneiden sogar wirklich mal zwei, drei Radieschen als Lückenfüller einplanen...


Meiner Ansicht nach unnötig sind hingegen automatische Funktionen, die z.B. warnen, wenn Pflanzen zu dicht stehen oder die Fruchtfolge ungünstig ist. Es gibt so viele Ausnahmen und individuelle Gründe, warum man doch einmal gegen eine "Regel" verstößt (z.B. bei Unterpflanzungen), so dass das nur unflexibel machen würde. Der Planer soll einem das Denken ja nicht abnehmen, er soll es vereinfachen.
Bisher hab ich die ganze Idee entwickelt und ausprobiert mit Freeware (Open Office Draw), damit kann ich mal ein Beispiel zeigen, wie ich mir das vorstelle:




Der Plan zeigt vier Beete von ca. 90x120cm auf einem DIN A4 Blatt (also auf dem Blatt 9x12cm). Das ist ein realistisches Maß für vier Parzellen in einem kleinen Vorstadt-Nutzgarten, vier Hochbeete o.ä.
Links oben die Starkzehrer, rechts oben die Gründungung, unten Mittel- bzw. Schwachzehrer. Links und rechts vom Blatt sieht man einige Gemüsekarten, die man mit der Maus ins Beet ziehen kann.



Hier nochmal der Plan etwas größer (es ist nur ein schnell gemachter Beispielplan!):


Natürlich kann man hiermit auch einen Balkongarten planen und Töpfe und Pflanzkästen mit Gemüse bestücken. Alles maßstabsgetreu, damit man auch weiß, wie viel dabei rumkommt.

Es funktioniert mit einem Programm wie Open Office im Grunde ganz gut. Grundvoraussetzung der Software-Oberfläche ist, dass sie Millimeter/Zentimeter-Raster anzeigen kann, dass es möglich ist, eine Beetfläche in jeglicher Form zu zeichnen und dass man JPEGs einfügen kann.
Bei Open Office muss man halt erst die Gemüsekarten einzeln in die Datei einfügen und kann sie dann über Kopieren/Einfügen recht flott vervielfältigen und Gruppen
oder Reihen bilden, die man dann kopieren kann, so dass man nicht jedes Radieschen einzeln platzieren muss

Es geht, aber es könnte noch bequemer sein. Wie ein IKEA Homeplaner, nur für Gemüsebeete.

Wenn jemand eine Idee hat, soll er sich bitte melden!

Was ich eher nicht in die Software einbauen würde, sind Funktionen für Vor- und Nachkultur und Kulturdauer. Darin sehe ich keinen wirklichen Vorteil, nur eine technische Verkomplizierung (und nichts nervt mehr, als wenn das Programm einem seinen Willen aufzwingen will). Zeitfenster sind im Garten nicht genau planbar und jede Samentüte verrät, wann man die Pflanze sät bzw. setzt. Auch Ereignisse wie Düngung oder Ernte sind nur schwer exakt voraussehbar und insofern eher Einschätzung des Gärtners.
Nützliche Zusatzinfos wie günstige Beetpartner oder aber Vorschläge für Vor- und Nachkulturen würde ich dann lieber gesondert mitliefern.

Samstag, 16. April 2016

Und sie scheint doch...

Am späten Nachmittag dieses matschigen Tages brach plötzlich die Sonne zwischen den Wolken hervor - und trieb mich in den Garten. Noch schnell die Zierpflanzen gesetzt: Traditionell gibt es Männertreu im Geländerkasten, das gefiel letztes Jahr schon nicht nur mir, sondern auch den Bienen. Dazwischen, weil sonst nirgends Platz war - sitzt Borretsch. Er sieht einfach toll aus, auch wenn ich nie weiß, wohin mit so viel Gurkenimitat...





Thema: Ökonomie in der Ökologie :-)

Es regnet in Strömen heute. Also eine gute Gelegenheit, mal ohne Buddel- und Pflanzstress über Gartenthemen zu plaudern.

Ganz ehrlich: Konventionelles Gemüse wird einem im Supermarkt hinterher geworfen. Rein aus Kostengründen lohnt sich ein Kleinstgarten also schon mal nicht. Gut, selbst geplanzt kann man Bio-Gemüse produzieren, das ja schon deutlich teurer zu erwerben ist. Aber gerade im ersten Jahr eines Balkon- oder Kleinstgartens braucht man Equipment: Pflanzgefäße, Erden, Sand, Kies, Gerätschaften, Anzuchtgefäße, Saatgut, etc. Das kostet eine Menge und umso mehr, je mehr man es auf ökologisches Gärtnern anlegt, also z.B. torffreie Bio-Erden kauft, die leicht das vier- bis fünffache einer einfachen Gartenerde aufrufen.

Um das eigene Gemüse also nicht zum Luxusgut werden zu lassen, das am Ende mit Gold aufzuwiegen ist, muss man Kosten einsparen, wo es geht.

Klar, natürlich, das Erlebnis, etwas selbst zu säen, zu ziehen und zu ernten ist natürlich etwas ganz anderes, als schnödes Gemüse im Bioladen zu kaufen. Aber in meinem Fall ist der ökonomische Gedanke vom ökologischen nicht ganz wegzudenken: denn neben dem mediativen Gärtnern als Alternative zu meinem kopflastigen Job, geht es tatsächlich auch um die kostengünstige Produktion von ökologisch angebautem Gemüse, das ich mir aus dem Laden in dieser Menge einfach nicht leisten könnte.
Und um es nicht ad absurdum zu führen, bin ich also zum findigen Sparfuchs geworden und gebe nur Geld aus, wenn sich keine Alternative findet.

Beispiel 1: Anzuchtgefäße
So lange ich mein Gemüse noch kaufe, kaufe ich damit auch häufig Plastikschalen, die praktischerweise sogar schon Löcher im Boden haben: Erde rein, Samen drauf, fertig ist die Gratis-Anzuchtschale. Das gleiche gilt für Joghurtbecher (für Einzelgänger-Pflanzen), oben aufgeschnittene Tetrapacks oder Wasserflaschen (für Gewächse mit längeren Wurzeln) und so weiter. Für jedes Pflänzchen findet sich unter den Recycling-Müll-Kandidaten ein geeignetes Gefäß und man kann auf den Krimskrams aus dem Gartencenter verzichten. Aber Vorsicht, irgendwann neigt man dazu, in jeder Verpackung ein potenzielles Pflanztöpfchen zu sehen...

Beispiel 2: Pflanzetiketten.
Kann man aus allem machen, was länglich, beschreibbar und wasserfest ist. Ich habe einen Tetrapack komplett zerlegt und in Streifen geschnitten. Die Innenseite ist silberfarben und lässt sich einfach mit einem Filzstift beschreiben. Unten spitz zugeschnitten, fertig ist mein Pflanzstecketikett. Man unterschätze nicht die Wichtigkeit von Pflanzetiketten: mehr als einmal stand ich vor der Anzuchtschale und wusste nicht, was das eigentlich wächst. Die Keimblätter vieler Pflanzen sehen nichtssagend identisch aus.

Beispiel 3: Pflanzgefäße
Theoretisch kann man Gemüse in allem pflanzen, was groß genug ist, Erde hält und unten Löcher hat (bzw. wo man welche reinbohren kann). Wer also die Blumentöpfe nicht kaufen will, kann auch Haushaltseimer, Lebensmittelbehältnisse, Plastikkästen, Metalldosen- oder Tonnen benutzen. Ich habe auch schon mit Folie ausgekleidete Bäckerkisten als Garten gesehen oder - für Kartoffeln beliebt - mt Erde befüllte Säcke.
Hier lohnt sich Augen aufhalten und kreativ werden.

Beispiel 4: Saatgut und Stecklinge
Ich habe aus einer Tüte Bio-Bohnen, die zum Kochen gedacht waren, einfach ein paar Körner behalten und eingepflanzt. Funktioniert. Warum auch nicht?
Stecklinge kann man gut bei Freunden "schnorren". Es ist keine große Sache, wenn ein Bekannter von seiner wuchernden Minze oder seinem gut gewachsenen Rosmarin einen Zweig abschneidet und abgibt. Das macht der Pflanze nichts aus und man ist günstig zu einem Steckling gekommen. Man kann sich mit ein paar überzähligen Jungpflanzen revanchieren.

Beispiel 5: Gartenzutaten in Kleinstmengen
Ein Problem für den Kleinstgärtner sind die handelsüblichen Mengen im Gartenmarkt. Man braucht für seine Töpfe Sand und Kies, aber eben nicht gleich 25ltr oder 20kg. Ich habe mir eine kleine Tüte Sand von einer Bekannten aus deren Sandkasten geben lassen, das war ausreichend. Und die nötige Anzahl Kieselsteine hab ich auf Spaziergängen in der Natur gesammelt. Ebenso wie die Rankhilfen für Pflanzen: Eines Tages wurden auf dem Parkplatz vor meinem Büro die Büsche und Bäume geschnitten. Das Schnittgut haben die Arbeiter am Wegrand gestapelt liegen gelassen. Ich habe mir da ein paar schöne, biegsame und lange Zweige rausgesucht, die eine wunderbare Bohnenrankhilfe abgeben...

Von Sonnenblumen in der Balkonfuge: April-Status

Tatsächlich entferne ich in den letzten Tagen immer wieder Sonnenblumen-Keimlinge aus den Fugen und Regenrinnen am Balkon, die sich dort wohl aus den Abfällen vom Vogelfutterhaus entwickelt haben... drei davon hab ich jetzt in jenen Topf gesetzt, in dem eigentlich Pfefferminze wachsen sollte, es aber nicht tut. Selber Schuld. Sollte die Minze doch noch aufgehen, hat sie jetzt einen Mitbewohner.
Ich wundere mich sowieso, was alles an Plätzen wächst, wo ich es gar nicht gesät habe: Kamille wächst jetzt auch im Kasten am Geländer. Absicht war das nicht.

Die vielen sonnigen Tage im April haben aber Wirkung gezeigt:

Nicht mehr im Bild: die Tulpen. Die Tulpen sind tot, denen war es wohl zu nass... > Zwiebeln waren angeschimmelt. Also hab ich die beiden Töpfe ausgeräumt und geputzt. Schade.
Neuer Plan: Noch mehr Bohnen. Jetzt habe ich mir in den Kopf gesetzt, in wenigstens einen der beiden Töpfe Stangenbohnen zu setzen, z.B. die mutmaßliche Bio-Bohne, falls sie denn rankt. Und diese Salami-Bohnen (Borlotto Lingua di fuoco), das finde ich zu lustig...
Aufgegangen: Borretsch (12.4.), 2. Satz Radies (14.4.).





 
Und hin und wieder verwandelt sich der Garten in ein Café oder ein Bistro, wo Monsieur und ich die ersten Sonnenstrahlen des Jahres genießen.
Garten, mein Garten, du Wellness-Oase...


Freitag, 15. April 2016

Es interessiert mich die Bohne...

... was für eine Bohne es ist.
Gestern ist doch tatsächlich die Bio-Bohne aufgegangen, die ich aus einer Packung Bio-Hülsenfrüchte (zum Kochen) aufgehoben und ausgesät habe. Problem: Ich weiß nicht, was für eine Sorte es überhaupt ist. Stangen- oder Buschbohne? Keine Ahnung. Im Internet ist nicht rauszufinden, woran man bei Sprösslingen erkennt, ob sie nun klettern werden oder nicht.
Ich glaube, es war ein schwarzer kleiner Bohnenkern. Aber das hat mir auch nicht weitergeholfen. Ich bin einfach mal auf alles vorbereitet; wenn sie möchte, kann sie ranken.

Nicht fragen, warum die Keimlinge in Toilettenrollen stehen. Ist eine längere Geschichte. Funktioniert prima. Aber ich erklär's an anderer Stelle.

Samstag, 9. April 2016

Von Lästlingen und Mit-Essern

Die Temperaturen klettern an manchen Tagen in diesem April schon auf 20°C. Dann werde ich zum Garten-Junkie. Vor dem Frühstück, nach dem Frühstück, bis zur letzten Minute, bevor ich zur Arbeit gehe und dann gleich wieder nach Feierabend: Raus auf den Balkon. In der Sonne sitzen und den Radieschen beim Wachsen zuzusehen hat eine fast so beruhigende und ausgleichende Wirkung wie ein schnurrendes Kätzchen auf dem Schoß.
Auf diese Weise lerne ich aber auch jeden Winkel meines Gartens, jedes Pflänzchen, jedes Insekt und jede Veränderung genau kennen. So musste ich beispielsweise feststellen, dass irgendjemand in exakt 1 Spinatblatt drei winzige kreisrunde Löcher gefressen hat. Unverschämt. Andererseits ist das ja wohl Teil der Öko-Philosophie: die tierischen Mitesser weder vergiften noch komplett vertreiben, sondern sie maßvoll in Schach halten. Eine Art "Gemüse-Zehnten" sollte man also miteinplanen.

Bei der Gemüsefliege, die ich in meiner Vorab-Lektüre kennengelernt habe, hört meine Barmherzigkeit aber auf: sie bekommt weder die Möhren noch die Radieschen, weshalb beides erstmal durch Netze geschützt wird (wie unten im Bild am "Möhrenpott" zu erkennen ist); selbstverständlich keine teuren Gemüsenetze, sondern recycelte Moskitonetze, auf das richtige Format geschnitten bzw. zusammengenäht.
Ähnlich radikal war ich gegenüber dem einzigen Lästling, der sich bisher in meinem Garten und meiner Anzuchtstation breit gemacht hat: Trauermücken. Diese Nervtöter. Ich hab sie toleriert, weil es nur einzelne waren. Und habe es bitter bereut als ich eines Morgens einen von unten abgefressenen Ringelblumensprössling vorfand. Das bedeutete Krieg.
Krieg = SF-Nematoden-Task Force. Gleich mal eine Packung dieser Fadenwürmer-Armee bestellt, die den Trauermücken ökologisch verträglich die Tour vermasseln. Hat funktioniert, es sind deutlich weniger und sie fressen keine Wurzeln mehr. Weg sind sie nicht 100%, weil sie von draußen ständig wieder rein kommen. Die Wiese unter meinem Balkon scheint ein Dorado für sie zu sein...


Samstag, 2. April 2016

Frühlingserwachen

Der Baum vor dem Balkon hat es verraten: seine Knospen sind pinkfarben geworden und über Nacht zu einem rosanen Blütenmeer explodiert: es wird Frühling.
Auf in den Garten!

Heute ist der Tag, auf den ich seit Wochen warte: Der Balkon wird frühlingsfein gemacht. Wenn Monsieur in ein paar Tagen zurückkommt, soll er eine einladende Gartenoase vorfinden - wenn auch noch spärlich begrünt.
Alors, on y va!

Erst mal aufräumen, fegen, die Platten schrubben, dann den Sitzplatz aufmöbeln...

 
Danach, frisch gepinselt und alles fein geordnet aufgestellt, ergibt sich gleich ein ganz anderes Bild.












Auch in der Erde wurde gebuddelt:

GARTENSTATUS: 22°/4° C.
Die Radieschen sprießen ganz in Reih und Glied, sogar schon in den Töpfen. Ich hab mir die Mühe gemacht, jede Samenart einzeln Korn für Korn zu sähen, weil ich es furchtbar finde, zu eng stehende Keimlinge auszurupfen. Bisher ist der Plan aufgegangen.

Im Freiland hab ich Schnittlauch und Schnittknoblauch (2. Versuch) gesät. Apachen-Zwiebeln zwischen die Möhren gesät, Borretsch im Blumenkasten, der den Platz vom Vogelfutterhaus wieder eingenommen hat.

Erste Auspflanzungen im Freiland: Rauke und Petersilie dürfen ausziehen.

In Vorkultur: Petersilie Nr. 2, Basilikum Nr. 2, Majoran und Liebstöckel nachgesät, Bohnenkraut und Thymian, zweite Ringelblume, Bohnen und 1 Salat zum Spaß, weil ich gerade so gut in Schwung bin :-)

Und weil man ja sonst nix zu tun hat (lach), noch schnell ein neckisches Tischdeckchen für den Bistro-Tisch genäht...

Nach getaner Arbeit ein Glas Saft in der Sonne geschlürft.