Donnerstag, 26. Mai 2016

Gartenstatus!

Sonne - raus in den Garten. Generalprobe ist erst um 16:00, davor kann man noch schnell 'was auspflanzen.

Der GARTENSTATUS

Meine Bohnen beginnen - endlich - zu ranken. Faszinierend, wie sie über Nacht sich so gedreht haben, dass sie jetzt um die Stangen winden.
Dem Liebstöckel hab ich etwas mehr Beinfreiheit verschafft und ihn umgetopft.
Meine Möhren haben wahnsinnig viel Kraut, aber ich sehe noch keine Rüben, wenn ich ein bisschen in der Erde grabe... komisch.
Es wächst etwas im Schnittknoblauch-Topf. Ich habe aber den Verdacht, dass es kein Schnittknoblauch ist, sondern irgendein anderes Pflänzchen, dass den Topf als Heimstatt attraktiv fand.

Ein paar Eindrücke:

 Buddel im Garten ;-)






Zwergenaufstand

Zwergzikaden. Es sind  Z W E R G Z I K A D E N.

Zikaden rufen bei mir eigentlich seelige Erinnerungen an Tage in der Provence hervor, aber was mir da aus der Petersilie entgegenkam, ließ mir schlagartig ein Licht aufgehen: die weißen Flecken auf den Bohnenblättern sind Saugschäden von Zwergzikaden.
Ich hatte schon einmal einen kurzen Moment daran gedacht, da ich aber absolut kein Tierchen finden konnte...

Nun denn. Noch ein Viech im Garten. Gegen Zwergzikaden gibt es wohl nur wenig probate ökologische Maßnahmen, sie scheinen aber auch nicht zu den aggressiven Schädlingen zu gehören.
Ich warte jetzt mal ab, wie es mit den Bohnen weitergeht. Als akute Maßnahme und um festzustellen, ob es denn überhaupt viele sind, hab ich mal eine Geldbtafel in den Bohnentopf gesteckt. Mit schlechtem Gewissen natürlich.

Zwergzikaden, nicht zu fassen....

Dienstag, 24. Mai 2016

Gärtnern 1930 (oder für Hipster: Retro-Gardening)

Ab morgen stecke ich wieder komplett in Proben und Konzerten und mein Garten muss bis Montag mit Minimalpflege auskommen. Mein Blog auch. Deshalb hier noch ein paar Gedanken, die mir auf meiner Zugfahrt am Sonntag kamen:

In der Vorkriegszeit gleichte der Gemüseanbau dem heutigen biologischen Gärtnern. Chemischer Pflanzenschutz war nicht üblich, Selbstversorgung das Ziel, es gab eine geringere Sortenauswahl aus natürlicher Züchtung. 
Neuerlich meine Oma (*1921) befragt, die meine erfahrenste Kompetenz fürs biologisch-historische Gärtnern ist, wie denn die Ausfallrate im Garten war - damals, in den 20ern und 30ern: „Es lief eigentlich immer. Aber wir hatten ja auch einen richtig großen Garten und noch ein Feld, da fielen kleinere Ausfälle nicht so auf. Wir hatten auch Netze über den Möhren und dem Kohl [Netze aus Flachs, wohlgemerkt]. Und wenn die Schnecken die Erdbeeren gefressen hatten, hatte man halt Pech.“
Sie kann sich auch noch an Jahre von Kartoffelkäferplagen erinnern, wenn des nachts die ganze Familie mit Lampen aufs Feld zog und die Käfer einzeln absammelte. Gleiches galt für Schnecken. 
Derlei hört man auch heute von den Bio-Gärtnern. Auch altgedienteLagermethoden erleben heute ein Revival: Im Haus gab es im Keller keinen festen Boden, sondern nur gestampfte Erde. Das erzeugte ein lagerfreundliches Klima für Obstregale und es gab „Sandbeete“, wo Rüben, Beten und Möhren vergraben wurden. Für den Winter hat man Sauerkraut gemacht und Gemüse eingekocht. Was mich überraschte: damals war es gar nicht unüblich, selber Blechdosenkonserven (!) einzukochen. Von den Aktionen „wir haben manchmal ein halbes Schwein gekauft und daraus Wurst und Fleischkonserven gemacht“ will ich jetzt als Vegetarierin nicht anfangen.

Es geht mir gar nicht um eine „früher war alles besser“-Message. Wenn man das gegenüber meiner Oma behauptet, bekommt man vehementen Widerspruch zu hören, denn moderne Erfindungen wie Zentralheizung, Waschmaschine, Kühlschrank, Elektroherd und Medien haben das Leben laut ihrer Aussage wesentlich angenehmer und einfacher gemacht. Auch ihren Garten hat sie vor etwa 20 Jahren aufgegeben und kein Problem damit, im Supermarkt und auf dem Wochenmarkt ihre Lebensmittel zu kaufen. 
Aber nach rund 40 Jahren Nahrungsmittelindustrie und konventioneller, Chemie- und Gentechnik-gestärkter Landwirtschaft, zahlreichen Lebensmittelskandalen und Erkenntnissen über die Negativfolgen für Umwelt, Tier und Mensch gibt es ein spürbares Bedürfnis, punktuell – wie z.B. bei der Erzeugung des eigenen Gemüses – wieder zurück zu altbewährten bzw. nachhaltigeren Methoden zu kehren, soweit es sich denn mit unserer modernen Lebenswelt vereinbaren lässt.
Ehrlich gesagt, sind auch die Probleme ähnlich: Bio-Erzeugnisse sind teurer, nicht jeder kann sie sich in entsprechender Menge leisten. Ebenso gibt es nicht überall nahe Bezugsquellen dafür (der nächste Wochenmarkt lag auch für meine Oma damals 20km entfernt...). Für hochwertiges, gesundes Gemüse lohnt es sich also durchaus, sich die Hände schmutzig zu machen. Vielleicht nicht zur Selbstversorgung, wohl aber als Grundlage oder als Extra-Portion.

Wenn man eine essbare Pflanze mal selbst gesät, aufgezogen, aus der Erde geholt und verspeist hat, stellt man sich zuerst jede Menge Fragen hisichtlich der Lebensmittelindustrie. Dann werden einem einige Dinge klar. Und dann macht man manches anders.

Montag, 23. Mai 2016

Krankenakte

Jetzt habe ich mal Fotos gemacht von meinen Sorgenkindern...

Die weißen Flecken auf den Bohnenblättern, die inzwischen auch anfangen an den Rändern zu vertrocknen und irgendwie wellig zu werden.



Und der Basilikum. Von den insgesamt fünf Pflanzen im Topf sind aber nicht alle betroffen, deswegen wäre es umso wichtiger zu erfahren, was los ist.


Jemand eine Idee?

Gärtner-Seelsorge


Nee, es geht nicht um therapeutisches Gärtnern, um der geschundenen Seele des naturfernen Stadt- und Büromenschen Gutes zu tun.Es geht mir heute hier um den Gärtner, der mit Herzblut seine Beete pflegt, liebevoll täglich seine Pflanzen hegt und der eher zu viel als zu wenig Gedanken dem Wohl seines Grünzeugs widmet. Diesen Gärtner-Typus trifft es denn auch am härtesten, wenn's im Beet kriselt.Ich habe mich schon selbst ertappt, wie ich im Angesicht eines aufkeimenden Problems den Tränen nahe war. Wieso in meinem Garten? Wieso nicht auf dem Nachbarbalkon?? Bin ich eine schlechte Gärtnerin? Habe ich nicht genug aufgepasst? Etwas übersehen?

Es ist das Hadern mit dem bloßen Schicksal einerseits, aber auch die Selbstzweifel und – was ich am schlimmsten finde – die RATLOSIGKEIT. Wenn man hilf- und ahnungslos zusehen muss, wie die zukünftige Ernte dahinschwindet und das Problem einfach nicht identifizierbar ist. Das Essen stirbt mir sozusagen unter den Händen weg und ich sitze am Beetrand und muss zusehen...

Das sind die schlimmsten Momente im Garten-Leben. Und niemand spricht gerne darüber, denn man will sich und schon gar nicht dem anderen Gärtner gegenüber eingestehen, dass es nicht rund läuft im Beet. Jeder möchte den blühenden Hort, die reiche Ernte, wo die Radieschen nur so aus der Erde ploppen und die Sommerblumen um die Wette strahlen.



Seid ehrlich, die Wahrheit sieht anders aus. In der Realität kommt es mir manchmal wie ein dauerhafter Darwinistischer Kriegszustand vor: täglich muss man sich erwehren gegen Krankheiten, Schädlinge, Wettereinflüsse. Jeder will einem ans Gewächs, sei es ein Krabbeltier, ein Pilz oder ein Virus – und sie wollen ja eigentlich alle nur das eine: überleben und ihre Art erhalten. Man ist fast versucht, Verständnis aufzubringen, aber letztlich bin ich als Kultivierer ein Teil dieser unerbittlichen Überlebensschlacht. Wer milde ist, verliert. Ein Bio-Garten ist Überleben des Stärkeren in Reinkultur, face to face, mit einfachsten Waffen.
Wären wir die Krone der Schöpfung, müssten wir diesen Kampf nicht stets gewinnen?

Ok, genug Drama.

Eigentlich wollte ich ja einfach nur mal über mein Garten-Weh sprechen.

Mein großer Coup in meinem kleinen Hortus felix ist die Bohnenkultur. Mit insgesamt einem Dutzend (!) Pflanzen wollte ich an der Bohnen-Selbstversorgung kratzen. Alles fing so gut an, die Keimrate war hoch, die Pflänzchen stark, als ich sie auspflanzte. Und dann ging's los: erst bricht starker Wind auf meinem sehr exponierten Balkon dem einen Buschbohnen-WInzling die beiden größten Blätter ab. Dann kam ein Wachstumsstillstand. Sie scheinen sich keinen Zentimeter mehr zu bewegen. Liegt es an den Radieschen, die auch (noch) im Topf sitzen?

Und von den Stangenbohnen hab ich ja bereits berichtet... Nur die wackre Biobohne, die bewundere ich mit größtem Respekt, hatte ich Bio-Saatgut doch prinzipiell für empfindlicher und weniger ertragreich gehalten – aus dem naiven Glauben heraus, sie seien ihrer Wildform näher oder einfach nicht so ausgezüchtet.

Über das Trauerspiel im Basilikumtopf mag ich gar nicht mehr erzählen. Kamille und Ringelblumen sind auch in den Stand-by-Modus gewechselt. Ausdünnen, düngen, alles nix genutzt. Liegt es an den paar Tagen trübem Wetter, dass sich nix mehr bewegt??? Auch die Radieschen sind wachsfaul geworden.

Vielleicht ist es wieder meine Ungeduld. Oder mein Unwissen in meiner ersten echten Gartensaison. Denn so viel wie ich auch gelesen habe – Lesen ist ja meine Generalwaffe gegen alle Probleme – Erfahrung habe ich nun mal nicht besonders viel. Muss mich nervös machen, dass Robert, mein Kohlrabi, erst vier Zentimeter hoch ist? Und die gelben Beten noch kleiner?

Herrje, ich bin so ahnungslos und sorgenvoll...

Ich weiß, ich sollte nicht so viel jammern. Es gab eine prima Spinaternte und die erste Runde Radieschen war klasse. Petersilie und Salatrauke wachsen tadellos und die Möhren lassen bisher Gutes hoffen.

Perfektionismus ist, glaube ich, unangebracht im Bio-Garten. Nicht jedes Samenkorn wird die perfekte Pflanze hervorbringen. Das Suboptimale ist fester Teil des Gartenlebens.

Freitag, 20. Mai 2016

Weiße Flecken, schwarze Flecken, und was sonst noch im Beet los ist...

Ein Garten muss anscheinend manchmal weh tun. Wie Kinder. Oder Haustiere. Oder eine Beziehung.

Ich bin ratlos und hätte ich nicht gerade anderweitig so viel um die Ohren, würde ich mich wahrscheinlich schrecklich aufregen:
Schwarze Flecken auf dem Basilikum. Oder besser gesagt grau-braun und wie im Blattinneren. Nein, keine Thripse. Egal, wie ich die Pflänzchen drehe und wende, in der Erde wühle, nirgends Tierchen. Rein gar nichts. Einfach nur graue Flecken, die man zuerst nur schwach und gegen das Licht sieht, dann auch auf der Blattoberseite.
Letztes Jahr hatte ich das auch und ich dachte irgendein blöder Virus, weil die Pflanzen zu dicht stehen oder so. Und jetzt wieder.
Frust.

Und dann die Bohnen. Die Stangenbohnen haben weiße Flecken auf den Blättern und angetrocknete Blattränder. Das erinnert mich an meine Tomaten letztes Jahr, das ging nicht gut aus. Der einzige, der immer noch unbeeindruckt fröhlich im Bohnentopf sitzt, ist meine Inkognito-Biobohne. Scheinbar ist sie robuster.
Ich sollte mal ein Foto von den Flecken machen...
Im Internet hab ich nichts gefunden, keiner kennt die grauen oder weißen Flecken. Und da ich keine Schädlinge finde, hoffe ich das Beste und warte ab.
Für den Basilikum habe ich aber wenig Hoffnung und vermute sogar, es liegt am Saatgut. Billiges Supermarkt-Saatgut. Ich gehe daher in die Offensive und habe heute Bio-Basilikum gesät. Bei den Bohnen scheint der Bio-Vertreter ja auch der gesündeste zu sein...

Eine fast schon vorhersehbare Frust-Nachricht: kein Schnittknoblauch in Sicht. Auch die in Wasser gelegten Samen rühren sich nicht. Wenn man mich fragt, ist das Saatgut schlicht nicht keimfähig.

GARTENSTATUS
Aber ein paar gute Nachrichten gibt es auch: Der Oregano-Steckling hatte nun genug Wurzeln zum Auspflanzen und der Lein ist ja so hübsch aufgegangen:
Als Tiefwurzler hab ich ihn in eine aufgeschnittene PET-Flasche gesetzt. Bin mal gespannt, was daraus wird.

Und nun noch der Blick ins Wechselbeet:
Die übrigen Spinatpflanzen, die eine blühende Spinatpflanze, dazwischen einzelne Hälmchen: Möhren. Mit rot-grünen Blättern der Salat, flankiert von den beiden übrigen Rucolapflanzen. Oben Mitte-links, die Halme, das ist Dill. Irgendwo sitzt auch noch ein einzelnes Petersilienpflänzen, das da hingefallen und angewachsen ist...





Sonntag, 15. Mai 2016

Schichtwechsel

Bei den Blattgemüsen war heute der große Zapfenstreich: die erste Generation Spinat wurde abgeerntet und ausgebuddelt. Bis auf eine Pflanze: die lasse ich wachsen, weil ich sie blühen sehen möchte.

Den Platz nehmen jetzt Blattsalat und Möhren ein und dazwischen wachsen die jüngeren Spinatpflanzen noch eine Weile weiter. Auch von der Rauke habe ich mich jetzt größtenteils getrennt, denn sie hat die irrwitzigsten Blattformen entwickelt und fing an, bitter zu schmecken.


Der Lein ist übrigens brav aufgegangen, dafür lässt sich der Schnittknoblauch nicht im Geringsten blicken. Ich versuche jetzt, Sprossen vorzuziehen, aber scheinbar mögen mich Zwiebelgewächse einfach nicht: mein Schnittlauch war ein Witz aus drei Grashalmen, die Lauchzwiebeln sind nur zur Hälfte gekeimt und wie gesagt, der Schnittknoblauch macht mich ärgerlich. Ich bin versucht, einfach eine Knoblauchzehe in die Erde zu stecken und zu schauen, was passiert...

Freitag, 6. Mai 2016

Here comes the sun

GARTENSTATUS 9.5.
Da gärtnert man monatelang am Vegetationsminimum, freut sich über jeden eingebildeten Wachstumsfortschritt, jede frostfreie Nacht und jeden Sonnenstrahl einzeln - dann scheint fünf Tage am Stück die Sonne, die Temperaturen steigen auf 20° und schon mutiert der Garten zur grünen Wildnis. Naja fast: Spinat wächst im Überfluss, Dill und Möhren lassen sich dazwischen auch schon blicken (9.5.). Eine vergessene Stangenbohne im Topf legte einen grandiosen Soloauftritt hin. Die Gelbe Bete keimt zwischen den neugesäten Radieschen, mein "Robert" getaufter Kohlrabi wächst und sogar Liebstöckel gab sich schlussendllich die Ehre und tauchte aus der Erde auf.

Meine evakuierten Stangenbohnen sind im Wohnzimmer regelrecht explodiert. Sie wollten raus an die Luft, aber ich zögerte - die Eisheiligen... Noch eine Woche halten sie es in ihren Pappröllchen aber wohl nicht aus, deshalb hab ich sie heute trotz schon sinkender Temperatur umgesiedelt.

Man denkt immer, es könnte einem nichts mehr Neues für den Garten einfallen, er ist schon perfekt... da zuckt der nächste Geistesblitz durchs Bild: heute habe ich Lein gesät, also Leinsaat aus der Küche geholt und auf frische Erde gestreut. Schauen wir mal, was daraus wird.

Zwar achte ich noch immer auf die Zusammenstellung der Pflanzenfamilien, aber mein kleiner Garten hat sich inzwischen zu einer Chaosmischkultur entwickelt

Gärtner-Roulette


und Gedanken zu Erste-Welt-Problemen

Es ist soweit: die erste Radieschenernte! Bisher gab es ja nur ein paar Kräuter und hin und wieder eine Portion Spinat, aber jetzt! Jetzt gibt es mal etwas zu beißen: die Radieschen drängten sich zur Ernte.

Zwischen die Reihen junger Radieschen wurde sogleich neu gesät, dazu gesellt haben sich vier gelbe Bete und in der Mitte bleibt Platz für eine Kohlrabiknolle, die – tadaa – in der Anzuchtschale schon ihre beiden ersten Blätter ausgestreckt hat. Der Spinat hat jetzt auf „Produktion“ umgestellt und wächst wie irre, ich könnte alle drei Tage ernten.

Soweit das Gartenglück.

Es passierte, als ich mal wieder verträumt im Garten saß und die Pfanzen beim Wachsen beobachtete: eine sehr verdächtige, kleine weiße Raupe im Topf bei den frisch gesäten Stangenbohnen. Das kann doch nicht wahr sein! Da sähe ich in einem einzigen Topf auf einem Balkon im Wohngebiet Stangenbohnen und schon ist die Bohnenfliege um die Ecke?!? Bohnenalarm! Sofort evakuierte ich die gesäten Bohnenkerne in meine Anzuchtstation in neue Erde und säte gleich nochmal neue zusätzlich, sicher ist sicher. Die anschließende Recherche um die böse bohnenfressende Fliege erklärte auch den Wachstumsstillstand und die deformierten Blätter an zwei meiner Buschbohnen, die ich daraufhin aus dem Topf nahm. Weitere Opfer.

Wenn ich ehrlich sein soll, frage ich mich, wie die Menschheit so lange überlebt hat. Es kann so viel schief gehen beim Gemüseanbau, man muss sich gegen so viele Konkurrenten zur Wehr setzen, die einem das Essen streitig machen. Dazu kommen Pflanzenkrankheiten. Und vom Wetter hängt man auch noch ab. Genau genommen ist Gemüseanbau ein Glücksspiel.
Meine 95jährige Oma, die die Welt noch ohne Plastik, Waschmaschine, Kühlschrank, Supermarkt und eben auch ohne Pflanzenschutzmittel kannte, antwortete darauf angesprochen lapidar „Dann hatte man halt weniger zu essen.“
Wie jetzt?!
Nutzgärtnern flößt einen enormen Respekt ein. Weniger vor der Nahrungsmittelindustrie mit ihren vielen technischen und chemischen Hilfsmitteln, sondern vor den Zeiten, in denen es das alles nicht gab oder aber den Ecken der Welt, in denen es das bis heute nicht gibt. Die ständige, nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, auch außerhalb ihrer Saison, gehört viel zu selbstverständlich zu unserer Lebenswelt und hat uns völlig verhätschelt.Würde ich von meinem eigenen Gemüse leben müssen - abgesehen von meiner viel zu kleinen Anbaufläche – ich bekäme Existenzängste.
Im Januar und Februar habe ich mal versucht, nur von dem zu leben, was aus dem einheimischen Gemüseanbau saisonal oder aus der Winterlagerung verfügbar war. Mein Speiseplan bestand hauptsächlich aus Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Kohlsorten, mehr Porree als mir lieb war, Feldsalat und lagerfähigem Obst. Eintönig, wenn man es mal einige Wochen durchhält. Und viele Gemüsekonserven finde ich grauenvoll, weshalb ich sie verschmähte. Ich habe schmerzlich mein Sommergemüse wie Tomaten, Zucchini und Auberginen vermisst, oder mal eine Banane... aber es wurde mir ganz komisch, wenn auf dem Etikett zu lesen war, wie weit das Gewächs gereist war.

Man sieht sein Radieschen mit anderen Augen, wenn man es selbst aus der Erde zieht.
Aus dem Laub habe ich übrigens ein sehr leckeres, würziges Pesto gemacht, dass meine Salatdressings veredelt. Nichts vom Radies soll übrig bleiben.

Montag, 2. Mai 2016

Buddel und das Bohnengerüst

<stolz>
Meinen Salami-Bohnen habe ich ein patentes Rankgerüst gebaut, das - in meinen Augen - auch noch schick aussieht. Wenn die Böhnchen in der Erde versenkt sind, kommt der Topf in die Ecke neben den Spinat.


Ist schief, ich weiß, aber das ist gewollt (wirklich...). Denn das Gerüst wird an das Geländer gelehnt und die Bohnen sollen dann teilweise auf die Geländerstäbe umgeleitet werden. Im Topf sitzt bereits meine Inkognito-Bohne, von der ich nichts weiß, auch nicht, ob sie jemals ranken wird (gibt es eine Möglichkeit, an der Jungpflanze zu erkennen, ob es eine Stangen- oder Buschbohne ist???)

Ach, wie wunderbar grün und wild verwachsen sieht mein Balkon vor meinem geistigen Auge im Sommer aus...