Sonntag, 19. November 2017

Fränkisch-Transsilvanien

Neulich auf einer Zugfahrt durch oberfränkische Gefilde ließ sich der Mitbewohner zu einem Ausspruch hinreißen, der wie kein anderer meinen Eindruck von Franken zwischen Oktober und März fasst:
"Wie Transsilvanien."
Gemeint ist natürlich das Klischee: dunkel, kalt, Wald. So sehr man die wildromantische Landschaft in der milden Jahreszeit schätzen kann - im Oktober geht hier sprichwörtlich das Licht aus. Eigentlich könnten sie die Straßenbeleuchtung gleich den ganzen Tag eingeschaltet lassen, denn von Tageslicht kann man (an guten Tagen) vielleicht zwischen 12 und 14h00 sprechen, dann befinden wir uns wieder im ewigen Dämmerungszustand, der von Mitte Oktober bis Mitte März anhält. Das ohnehin reduzierte Tageslicht wird meistens noch von einer scheinbar kilometerdicken Wolkenschicht abgeschirmt. Und da Sonnenlicht ja auch Wärme bedeutet, ist es hier gleich auch nochmal ein paar Grad kälter als irgendwo sonst. Der Kühlschrank der Nation.
Es gibt für mein Empfinden auch keinen Herbst. Spätsommerliche Tage gehen gleich in einen verfrühten Winter über, Wolkenmassen legen sich über das Land und die Depression kriecht ins Gemüt.
Und während man also am Nachmittag durch die dunklen Straßen stapft, friert und der leichte Wind in jede Spalte des Mantels bläst, stellt sich nicht selten auch noch ein gemeiner Nieselregen ein: zu wenig, um den Schirm rauszukramen, aber genug, um nass zu werden und noch mehr auszukühlen.

Der Winter ist hart und hartnäckig hier. Ein geradezu skandinavischer Winter, gäbe es denn mehr Schnee. Stattdessen gibt es reichlich Schneematsch - ebenso in jenem Einheitsgrau, das man auch sieht, wenn man zum Himmel schaut.
Das ist die Krux: so wie grau unentschlossen zwischen weiß und schwarz, Licht und Dunkel ist, so unentschlossen ist der Winter hier: kein richtiger Schnee, kein richtiges
 Tageslicht, kein richtiger Regen, kein richtiger Wind. Grauzone, irgendwo dazwischen.

Heute im Garten eben diese Trostlosigkeit. Düster und grau. Das einzige, was für einen Überraschungseffekt sorgte, war der Knoblauch, der neugierig den Kopf schon aus der Erde steckt. Der Arme, was für eine Enttäuschung muss das gewesen sein...


Lässt sich nicht die Laune verderben: mein Feldsalat im Steinbeet




Sonntag, 12. November 2017

Da rett' ich den Rettich

Nun ja, der Rettich muss wahrscheinlich nicht gerettet werden, aber ich habe heute - angesichts dieses plötzlichen Wintereinbruchs - doch lieber mal großzügiger geerntet.
Bei Schneeregen und Temperaturen um den Gefrierpunkt wird aus meinem beschaulichen Garten ein schlammiges Survival-Camp.
Auch Tommy die Wunderblume musste evakuiert werden, denn für Frost ist er dann doch nicht geeignet, der kleine Kerl.
Das Balkongärtchen wurde im Hauruck-Verfahren ins Wohnzimmer verlagert.

Ja, ich weiß.
Ich geb's ja zu, ich hab es vermasselt.
Zu lange gewartet und den Moment verpasst, in dem man vernünftigerweise die Gewächse umgesiedelt und eingemummelt hätte, statt jetzt überstürzt alle einzusammeln. Aber was soll man machen, wenn sogar die Wochenenden manchmal nicht frei sind und der Garten sich um sich selbst kümmern muss...
Ab jetzt gibt es also TK-Spinat aus dem Garten, statt aus dem Supermarkt.

Mittwoch, 1. November 2017

Gebuddelt wird bis zuletzt

Nurmehr zehn Grad waren es heute. Aber als die Sonne dann kurz aus den Wolken schaute, hab ich mich dennoch in den Garten getrollt. Man könnte ja noch einen Kubikmeter Erde umwälzen und Traubenhyazinthen ausgraben...

Links unter dem Vlies der Zustand vorher: die Halme der Traubenhyazinthen schauen büschelweise aus der Erde.
Ganz rechts im Bild das fertige Beet: halmfrei :-) und feinkrümelig durchgesiebt.
Nichtsdestotrotz ist es ein Knochenjob, die inzwischen feuchtnasse Erde schaufelweise auszuheben und durchzusieben...


Andernsorts im Beet entstehen schon Lücken, die mit Grünzeug gemulcht werden. Sieht zwar chaotisch aus, funktioniert aber wunderbar.
Eine der Rettichparzellen ist fast raus.

(ganz unten am Bildrand übrigens meine ersten Versuche mit Radicchio und Endivie, leider zu spät gesät, so dass sie nicht mehr auswachsen werden).
Diesmal gehen die Rettiche ans andere Ende der Republik. Tja, sind halt Rettiche mit weitreichendem Ruf ;-)


Im Balkongärtchen ist die Saison fast schon zu Ende. Die beiden letzten Paprika baumeln auf ein bisschen Erröten hoffend noch am Strauch. Die Petersilie läuft nochmal zur Höchstform auf und der Salat... blüht.











Aber ein kleiner Überraschungsgast hat sich noch zum Schluss dazu gesellt:
Alberto, der Apfelsprößling.
Neulich schnitt ich einen Apfel auf, da war der Kern schon fast ein Pflänzchen und ich konnte nicht widerstehen, ihn in Erde zu setzen. Jetzt ist er halt da. Alberto.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Sommerfeeling mit gebrannten Mandeln


Ich bin versucht zu sagen: ein ganz normaler Garten-Tag. Denn wie immer mache ich meinen Rundgang, dann wird etwas *Konkretes* gemacht (Tulpen und Knoblauch setzen), dann wird geernetet und dann, ja dann werden wie eh und je ein paar Quadratmeter Beet durchgesiebt und Traubenhyazinthen aus der Erde geholt. Das ist die Geißel meines Gartens.

Heute war es aber *public gardening* denn das Dorf war anlässlich der Herbstkerwa überfüllt und alles spielte sich vor meinem Gartenzaun ab. Wetter: sommerlich. In den Grillgeruch mischten sich aber gebrannte Mandeln und die erinnerten einen daran, dass ja schon für Weihnachten vorgeglüht wird...

Oh du wunderbares Herbstrübchen, das du steckst in der Erde :-)
Auch Unkraut kann entzückend blühen: Sauerklee, der sich auf dem Rindenmulch ausbreitet

Das Erntekörbchen des Tages
Unglaublich: nach Rückschnitt fast totgeglaubt ist die panaschierte Rose wieder da und blüht als letzte Rose des Sommers....

...wenige Meter daneben die Astern als Boten des Winters.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Vom Frühbeet, dem Preisrettich und anderen Begebenheiten im Herbstgarten...

Es ist Herbst geworden und man fröstelt, wenn man im gut mit Regen vollgesogenen Garten werkelt - und abermals nach Traubenhyazinthen gräbt.
Das Herbstgemüse steht in voller Pracht und füllt den Teller mit Frischkost. Und da die kluge Gärtnerin möglich spät aufhört und möglichst früh wieder anfängt, wurde jetzt mal ein Fundament für ein Frühbeet gelegt (das bisschen Grünschnitt hat sich inzwischen schon aufgelöst):


Das Herbstlaub - viel ist es ja nicht mit dem Fliederbaum - habe ich in die Blumenrabatte gehäufelt. Ein paar Käfer und Würmer werden sich freuen, wenn es im Winter nicht ganz so kalt im Laubmulch wird.
Die Radieschen sind alle schon verspeist, die Rübchen werden nach und nach erntereif. Mein ganzer Stolz sind aber die Winterrettiche. Kniehoch steht der Rettichwald und bildet hübsche schwarze Kugeln. Am Wochenende habe ich mal ordentlich zugegriffen und eine Wochenration Wurzelgemüse ausgegraben:

der dritte von hinten war mein "Preisrettich", groß wie eine Orange.
Den Rettich geraspelt, gesalzen und mit einem Löffel Sauerrahm verrührt und wir sind im Bereich von *unverschämt lecker*. Im Büro prügeln sie sich schon um die schwarzen Knollen...
Hinzu kamen noch Spinat und Feldsalat. Das überschüssige Laub zerrupfe ich und lege es wieder aufs Gemüsebeet; in zwei Wochen haben es die Würmer vergraben.

Demnächst ist es Zeit für die Tulpenzwiebeln und den Knoblauch. Man muss sich beeilen, die Gartentage werden immer kürzer.

Gesine

Gesine wohnt seit dem Sommer im Garten. Und wie es sich für eine Heuschrecke gehört, erschreckt sie mich jedesmal, wenn wir uns begegnen. Sei es, weil sie seelenruhig auf einem Radieschenblatt sitzt, an dem ich gerade zu tun habe, sie aber wegen ihrer Tarnfarbe zunächst nicht bemerke, oder aber, weil sie im Kamikazeflug an meinem Kopf vorbeisaust und im Rhododendron landet.
Mensch, Gesine...



Dienstag, 12. September 2017

Griffel wech, mei Gemüs'!

Nun ja, ich probier's ja immer mal wieder mit dem Integrieren und dem Fränkisch und so...

Worauf ich hinaus will, ist der Disput, den ich in den letzten beiden Wochen mit dem Kohlweißling ausgetragen habe. Der war schwer interessiert am Wintergemüse und hat das ein oder andere Blatt perforiert. Fand ich nicht lustig.
Nun denn, ein Kulturschutznetz besitze ich nicht, also war Handarbeit angesagt. Ich habe jedes einzelne Blatt von Rettichen, Rübchen und Radieschen umgedreht, jedes Räupchen und jedes Gelege entfernt und des Gartens verwiesen. Dann nochmal Nachkontrolle eine Woche später und der Spuk war vorbei. Mein Gemüse gehört wieder mir und gedeiht prächtig.
Ein paar butterzarte Radieschen gab der Garten schon her.



Eine große raumgreifende Staude in der Rabatte hatte ich schon länger im Auge: man müsste sie mal zusammenbinden, weil sie doch sehr auf den Weg ragt... Durch puren Zufall fiel mir schließlich auf, WAS da wächst und spät blüht: Topinambur! Jippeyeyay, noch mehr Gemüse! Es gibt doch immer wieder Überraschungen in diesem Garten...

Auch der Balkon hat noch etwas zu bieten: noch gibt es Paprika, aber die verspätete Glockenpaprika kämpft und jeden Sonnenstrahl. Die Bohnen scheinen das Blühen nicht aufgeben zu wollen. Tomaten, Mangold und Kräuter kann man immer mal wieder ernten. Das Fail-Gemüse im Balkongarten sind dieses Jahr allerdings die Beten und der Kohlrabi. Was hab ich falsch gemacht? Der Kohlrabi ist nur Golfball-groß und die Gelben Beten wollen überhaupt keine Knolle bilden. Unmut. Wahrscheinlich ist die Erde schuld...

Montag, 21. August 2017

Beton und Traubenhyazinthen

Das waren die beiden Themen des Gartentags an diesem Wochenende.

Aber von vorne: Es fing harmlos an mit einem Vormittag, der zum Stauden- und Rosenschneiden genutzt wurde. Während ich so gemütlich zwischen den Gewächsen
am Zaun werkel, kommen sie: die Zaungäste. Manchmal würde ich sie ganz
unbescheiden ja fast Fans nennen, denn ich habe schon ein paar Wiederholungstäter,
die geradezu darauf zu lauern scheinen, dass ich wieder im Garten bin und
angesprochen werden kann. Nun bin ich gar nicht so kommunikativ im Garten, sondern will lieber in Ruhe
meinen ziellosen Gedanken nachsinnen, während ich hier eine Blüte abzwicke und  dort 'was auszupfe. Doch sie stehen da, am Zaun, und reden auf mich ein.  Solange ich nur zustimmen muss, kein Problem, wenn ich mich aber gegen  gutgemeinte, aber überflüssige Ratschläge wehren muss, wird es anstrengend. Nein, das Efeu am Flieder ist sowieso schon tot, es wird den Baum nicht erwürgen, keine Sorge, es muss nicht sofort entfernt werden...

Gegen Mittag ging es dann los: Projekt Rosenbogen. Das gute Stück stand schon zusammengebaut auf dem Gartenweg und wartete auf Befestigung.
Während der gartenhelfende Mitbewohner Rohre als Schalung sägte, buddelte ich
(was sonst!) vier Löcher für die Punktfundamente. Vorher musste die Rose nochmal
Äste lassen, da es sonst gar nicht möglich gewesen wäre, zwischen (!) zwei Rosenstöcken
ein Fundament zu gießen. Gestochen hat sie mich trotzdem reichlich, diese
Folterpflanze.
 
Dann Trockenmörtel in die Schalung gekippt, verdichten, Rosenbogen mit Verankerung drauf stellen - und feststellen, dass dieser Fertigbeton verdammt schnell fest wird... Ein Stück weit musste die Verankerung also in den noch nassen Beton eingeschlagen werden, dann auffüllen, weiterverdichten und warten: Eis am Stiel essen.

Eine halbe Stunde später krabbelten schon die Ameisen über den noch nicht ganz trockenen Beton, wahrscheinlich haben sie Fußspuren hinterlassen ;-) Aber: er ist kerzengerade, der Rosenbogen, und er sitzt fest.
<stolz>
Soll mal einer sagen, Schreibtischtäter könnten kein Fundament gießen...

 
Der zweite Punkt des Tages waren die Traubenhyazinthen. Dieses invasive Gewächs taucht nämlich gerade überall auf, auch dort, wo es nicht sein soll. Das Umgraben der Gemüsebeete war für die Katz, auch aus 40cm Tiefe schaffen es diese Biester wieder an die Oberfläche. Dafür ist die Zwiebel dann fast nicht mehr erreichbar. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen (nein, gegen Traubenhyazinthen, das ist schlimmer). Den Hackschnitzelbelag müssen wir punktuell wieder aufgraben und die Zwiebeln einzeln rauspopeln. Die noch freien Beete grabe ich nochmal mit der Gabel um und siebe durch. Das geht nur quadratmeterweise, denn es ist eine unglaubliche Friemelei, die winzigen Zwiebelchen zu finden. Anders wird es aber nicht besser werden und ich habe keine Lust, nächstes Jahr mein Gemüse von absolut rücksichtslosen Traubenhyazinthen verdrängt zu sehen. Dafür habe ich danach eine erstklassige Erdqualiät in den Gemüsebeeten - gesiebt, steinfrei und hoffentlich hyazinthenfrei. Aber der Blick auf das reichlich wachsende Wintergemüse tröstet:
 
 
Der Gartentag endete wie üblich: halbtot, aber glücklich, bei Ofenkartoffel
und Rote Bete :-)
 

Montag, 7. August 2017

Das historische Gärtnern...


Auf der Suche nach alten historischen Gemüsesorten stößt man zunächst auf wenig, dann auf wenig gut recherchierte Hinweise: Haferwurzel sei ein häufig angebautes Gemüse gewesen, Spinat habe erst im 19. Jahrhundert die Melde verdrängt und derlei Geschichten. Nach längerem Suchen habe ich eine Website gefunden, die eine große Liste digitalisierter historischer Garten- und Landbauliteratur aufführt, die man sich kostenfrei downloaden und lesen kann.
 http://www.historischegaerten.de/Gartenbaubuecherei/digilinks.html

Pomologische Traktate, Pflanzenlexika, Küchengartenratgeber oder Arzneipflanzenhandbücher; es gibt für jeden etwas, vorwiegend aus dem 17.- 19. Jahrhundert, wer tapfer ist und auch Latein liest, findet auch ältere Werke, ansonsten sind die Bücher in Deutsch, Französisch, Englisch und Niederländisch verfasst.
Sehr zu empfehlen für alle historisch interessierten Gartenbuddler.

Und wie ich mich die letzten Wochen so durchschmökere, musste ich feststellen, dass die Dinge etwas anders liegen:
Viele Gemüsesorten wie Melonen, die man eigentlich nicht in biedermeierlichen Gärten vermutet hätte, waren schon weithin bekannt und wurden offenbar oft kultiviert. Sogar Topinambur wurde unter dem mirakulösen Namen "Dragun" kultiviert.  Und Spinat habe ich in keinem der Bücher aus dem 18. oder 19. Jh. als neu oder mit der Melde konkurrierend gefunden. Beide hatten ihren Platz. Dem gegenüber wurde die Haferwurzel mehr als einmal gegenüber der Schwarzwurzel als weniger schmackhaft und lohnenswert in der Kultur dargestellt. Dafür habe ich in einem Buch sogar den exotischen Malabarspinat gefunden...

Einzig Tomate und Zucchini sucht man vergebens, ihre Verwandten die Kartoffel und der Kürbis hingegen sind schon wohl etabliert im Garten. Allerdings gilt die Kartoffel zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch als relativer Neuzugang. Was uns heute als althergebrachtes traditionelles Gemüse unserer Gartenkultur vorkommt, ist zwar als Zierpflanze jenseits der Alpen seit dem 16. Jahrhundert bekannt, als Nutzpflanze machte sie aber erst spät und hierzulande schleppend Karriere (nämlich im 18. Jahrhundert). Bevor entsprechende Züchtungen gelangen, waren Kartoffeln nicht ganz so schmackhaft und ertragreich wie heute.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich mache ein neues feld im Blog auf: das historische Gärtnern, in dem ich immer mal wieder aus alter Literatur Kurioses und Wissenswertes herausfische.


Laubenpieperglück

Samstag war der längste Gartentag in meiner hortikulturalen Karriere: 10 Stunden wühlen, graben, schleppen, hacken, zupfen, schneiden. Der Kubikmeter Holzschnitzel konnte ja auch nicht vor dem Gartentor bleiben, sondern wollte auf den Wegen verteilt werden.
Dann kamen die Garteneigentümer vorbei: Staunen, Begeisterung, Freude, dass die Wildnis einem passablen Bauerngarten gewichen ist. Als man mich dann das dritte Mal fragte, ob ich noch etwas gebrauchen könne, weil man sich ja gerne irgendwie beteiligen würde (...ein Dorf gärtnert mit...), hab ich dann meine Bestellung aufgegeben: Rindenmulch wäre eine gute Sache. Und vielleicht wieder ein Rosenbogen... Bestellt, geliefert. Und mit dem Rosenbogen steht das neue Projekt fest: Fundamente gießen.
Manchmal frage ich mich, ob ich mit dem Garten einfach nur den größtmöglichen Kontrast zu meinem Schreibtisch und den Bücherstapeln suche...

Das Ergebnis von einem Samstag und einem halben Sonntag kann sich aber sehen lassen: Betretbare Wege, eine wohlriechende Kompostecke mit Rindenmulchdecke und gestutzte Rosen- und Johannisbeersträucher.


 Anfang August





















Anfang April







Und das Wintergemüse sprießt:

Etabliert sich zunehmend als Plätzchen für die Kaffee-Pause:die Laube


Neuigkeiten bei den Gartenwundern gibt es auch.

Ein Dorf gärtnert mit

Wenn ich manchen Tags in meinem Garten werkel, oder auch nur nach Feierabend kurz nach dem Rechten sehe, stehen sie da: die Zaungäste. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie viele Menschen aus dem Dorf sich schon zu meinem Garten geäußert haben, der ein regelrechtes Sommerwunder zu sein scheint. Da lebe ich drei Jahre fast inkognito an diesem Ort und plötzlich - seit ich den prominentesten Garten beackere - kennt mich scheinbar jeder. Nicht mit Namen und nicht als Wissenschaftlerin, als die ich hierher gekommen bin. Nein, als Garten-Dame, Garten-Expertin, Garten-Profi, Gärtnerin, Garten-Pflegerin, Die-den-Garten-wieder-schön-gemacht hat, usw. Meistens gibt es nur bewundernde Worte, Auzsdruck von Erleichterung und Zustimmung, manchmal wird auch geflirtet (mit Obst und Gemüse...) und ich höre zwischen den Sätzen Begehrlichkeiten, manchmal gibt es auch mehr oder minder nachdrückliche Ratschläge. Und manchmal wird einfach nur nach dem Weg gefragt...

Ich muss mich an diese Form der Prominenz gewöhnen. Offenbar schauen mir doch mehr Menschen zu als ich dachte. So fühlt es sich wie Problemlösung in Live-Übertragung an, wenn ich - trotz allem ja ein Garten-Neuling - dreimal wieder vom Beet krieche und das Gartengerät wechsle, weil es nicht den gewünschten Effekt erzielt. Umgeben von Land-erprobten Menschen ist es vielleicht gar die reinste Gartenkomödie.

Zugegeben, das hat auch schon seine Vorteile gehabt. Wenn jeder weiß, was ich gerade tue und vor welchem Problem ich stehe, dann lässt es sich manchmal aussitzen, bis einer meiner Zaungäste mit der Lösung um die Ecke kommt. So mit dem Holzschnitzelbelag der Gartenwege: Es war ein Drama, da es nirgends Holzschnitzel zu erschwinglichem Preis gab, die mir Kleinwagenfahrer auch noch bis zum Garten gebracht werden. Aber genügend Leuten oft genug davon erzählt, jetzt hat sie jemand für mich zum Spottpreis organisiert. :-)

Samstag wurde der Bigbag mit Holzschnitzeln vor meinem Gartentor abgestellt. Auftakt einer neuen Folge von "Ein Dorf gärtnert mit".

Freitag, 28. Juli 2017

Ang'sät is! Buddels neuer Garten

Es ist soweit: nur drei Monate nach der Übernahme der Wildnis habe ich heute *feierlich* das erste Saatgut ausgebracht und die Herbst/Winter-Saison im Gemüsegarten mit meinem geliebten Feldsalat und mit Spinat eröffnet.

Das Winterbeet rechts habe ich in acht Parzellen unterteilt und vier heute angesät. Die übrigen Beete liegen noch unter Vlies, gegen Platzregen und Unkraut. Unter dem Vlies ist allerdings Assel-Party... der Boden bleibt dort etwas feucht, warm und dunkel. Krabbler aller Art lieben das.


Die Rosen blühen schon wieder. Nach einem vorsichtigen Rückschnitt hat sie jetzt nochmal riesige Blüten. Die Sonnenblume ist hingegen verblüht, doch Sonneblumenkerne aus eigenem Garten kann ich vergessen: Für die Vögel ist das ein All-you-can-eat-Buffet. Da bringe ich es nicht mehr übers Herz...

Sonntag, 23. Juli 2017

In der heißen Phase

...war nicht nur der Garten sprichwörtlich in den letzten zwei Wochen. Es war so viel los - im Garten und im Job - dass auch keine Zeit zum kontinuierlichen Bloggen war. Nicht zuletzt hatte auch das Wetter eine heiße Phase und wenn man dann in einem relativ windgeschützen Garten vor einem hellen Steingebäude gärtnert, das auch noch wunderbar die Wärme reflektiert, dann ist man abends mehr als gar.

Den Garten werdet ihr aber nicht wiedererkennen. Von der verwilderten Kulturbrache zum Hortus deliciarum. Es hat Schweiß gekostet, Kraft und Tränen, aber jetzt ist es ein Garten, in dem sogar noch Herbstgemüse einziehen kann. Momentan sehr aufgeräumt, aber wilder wird's ja von alleine wieder ;-)

An meiner Gartenmauer setzte sich das Leben indes ein Denkmal, an dem man allzu schnell achtlos vorbeigeht:

Das Wegekreuz

Wer sich noch an den gezeichneten Plan erinnert, der weiß, dass um den buchsähnlichen Busch in der Mitte des Beetes ein Wegekreuz entstehen soll.
Das war das Planziel heute. Zur Befestigung der Beetränder haben wir abermals erst mal eine Ladung Feldsteine gesucht und vom Ackerrand zum Auto und von dort wieder aufs Gemüsebeet geschleppt.
Dann habe ich die Position und die Breite der Wege festgelegt und mit Seil markiert.

Als nächstes mussten die Wege etwas ausgegraben werden, damit Platz für den Holzschnitzelbelag entsteht. Was ich an Erde hier weggeschaufelt habe, landete im Hügelbeet, das bisher nur eine Lage Zweige und trockenes Laub als Grundfüllung hatte.

Wer dachte (wie ich), das Schaufeln und Erdeimer schleppen sei die schwerste Arbeit des Tages gewesen, der hat noch nicht über 150 Feldsteine zur Wegbefestigung in sengender Sonne verlegt. Denn es war ja nicht damit getan, sie einfach anneinander zu reihen... jeder Stein musste passend ausgesucht und ein bisschen eingegraben werden. Schwitz...


Zum Vergleich nochmal der Zustand vor drei Wochen...

Die Wege werden noch mit Holzschnitzeln belegt, damit sie trittfester werden (und besser aussehen).

Im Hügelbeet durften die ersten Pflanzen einziehen:

Freitag, 21. Juli 2017

Die Neuen aus Bamberg

Eine Woche ist es her, dass der Wildgarten zum Kulturgarten wurde und ich habe mich heute auf den Weg nach Bamberg gemacht, um in der dortigen Bio-Kräutergärtnerei ein paar Neuzugänge abzuholen.

Ein Grundsatz meines Gartens ist, die Materialien aus der Region zu beziehen. Am Besten gleich hier aus dem Dorf, oder aus dem Nachbardorf, wo ich die Feldsteine für das Hügelbeet holen konnte oder eben aus der Region, wie in Bamberg, wo es eine hervorragende Gärtnerei für Küchenkräuter und Arzneipflanzen gibt. Ein Repertoire medizinisch verwendbarer Gewächse soll nämlich die Zierrabatte auffüllen und nahm heute seine Plätze ein, z.B die Wilde Malve
Auch Baldrian, Johanniskraut, wilde Rauke, Frauenmantel, Kaskadenthymian, Ysop, Duftveilchen und schmalblättriiger Sonnenhut sind nun im Garten, wobei letzterer nicht in mein Konzept traditioneller Bauerngartenpflanzen passt, weil er erst im 19. Jh. als Neophyt eingeschleppt wurde. Nun ja, ein paar Exoten muss ich sowieso tolerieren, der Rhododendron ist ja auch kein europäisches Gewächs, deshalb würde ich ihn aber jetzt nicht aus dem Garten verbannen...



Ein herrliches "Unkraut" an völlig unpassender Stelle, welches ich aber bisher gegen alle Ordnungswüteriche verteidigen konnte, belohnt uns demnächst mit knallrosa Blüten:


Da bewährt sich meine Philosophie "erst mal stehen lassen und schauen, was daraus wird"