Dienstag, 12. September 2017

Griffel wech, mei Gemüs'!

Nun ja, ich probier's ja immer mal wieder mit dem Integrieren und dem Fränkisch und so...

Worauf ich hinaus will, ist der Disput, den ich in den letzten beiden Wochen mit dem Kohlweißling ausgetragen habe. Der war schwer interessiert am Wintergemüse und hat das ein oder andere Blatt perforiert. Fand ich nicht lustig.
Nun denn, ein Kulturschutznetz besitze ich nicht, also war Handarbeit angesagt. Ich habe jedes einzelne Blatt von Rettichen, Rübchen und Radieschen umgedreht, jedes Räupchen und jedes Gelege entfernt und des Gartens verwiesen. Dann nochmal Nachkontrolle eine Woche später und der Spuk war vorbei. Mein Gemüse gehört wieder mir und gedeiht prächtig.
Ein paar butterzarte Radieschen gab der Garten schon her.



Eine große raumgreifende Staude in der Rabatte hatte ich schon länger im Auge: man müsste sie mal zusammenbinden, weil sie doch sehr auf den Weg ragt... Durch puren Zufall fiel mir schließlich auf, WAS da wächst und spät blüht: Topinambur! Jippeyeyay, noch mehr Gemüse! Es gibt doch immer wieder Überraschungen in diesem Garten...

Auch der Balkon hat noch etwas zu bieten: noch gibt es Paprika, aber die verspätete Glockenpaprika kämpft und jeden Sonnenstrahl. Die Bohnen scheinen das Blühen nicht aufgeben zu wollen. Tomaten, Mangold und Kräuter kann man immer mal wieder ernten. Das Fail-Gemüse im Balkongarten sind dieses Jahr allerdings die Beten und der Kohlrabi. Was hab ich falsch gemacht? Der Kohlrabi ist nur Golfball-groß und die Gelben Beten wollen überhaupt keine Knolle bilden. Unmut. Wahrscheinlich ist die Erde schuld...

Montag, 21. August 2017

Beton und Traubenhyazinthen

Das waren die beiden Themen des Gartentags an diesem Wochenende.

Aber von vorne: Es fing harmlos an mit einem Vormittag, der zum Stauden- und Rosenschneiden genutzt wurde. Während ich so gemütlich zwischen den Gewächsen
am Zaun werkel, kommen sie: die Zaungäste. Manchmal würde ich sie ganz
unbescheiden ja fast Fans nennen, denn ich habe schon ein paar Wiederholungstäter,
die geradezu darauf zu lauern scheinen, dass ich wieder im Garten bin und
angesprochen werden kann. Nun bin ich gar nicht so kommunikativ im Garten, sondern will lieber in Ruhe
meinen ziellosen Gedanken nachsinnen, während ich hier eine Blüte abzwicke und  dort 'was auszupfe. Doch sie stehen da, am Zaun, und reden auf mich ein.  Solange ich nur zustimmen muss, kein Problem, wenn ich mich aber gegen  gutgemeinte, aber überflüssige Ratschläge wehren muss, wird es anstrengend. Nein, das Efeu am Flieder ist sowieso schon tot, es wird den Baum nicht erwürgen, keine Sorge, es muss nicht sofort entfernt werden...

Gegen Mittag ging es dann los: Projekt Rosenbogen. Das gute Stück stand schon zusammengebaut auf dem Gartenweg und wartete auf Befestigung.
Während der gartenhelfende Mitbewohner Rohre als Schalung sägte, buddelte ich
(was sonst!) vier Löcher für die Punktfundamente. Vorher musste die Rose nochmal
Äste lassen, da es sonst gar nicht möglich gewesen wäre, zwischen (!) zwei Rosenstöcken
ein Fundament zu gießen. Gestochen hat sie mich trotzdem reichlich, diese
Folterpflanze.
 
Dann Trockenmörtel in die Schalung gekippt, verdichten, Rosenbogen mit Verankerung drauf stellen - und feststellen, dass dieser Fertigbeton verdammt schnell fest wird... Ein Stück weit musste die Verankerung also in den noch nassen Beton eingeschlagen werden, dann auffüllen, weiterverdichten und warten: Eis am Stiel essen.

Eine halbe Stunde später krabbelten schon die Ameisen über den noch nicht ganz trockenen Beton, wahrscheinlich haben sie Fußspuren hinterlassen ;-) Aber: er ist kerzengerade, der Rosenbogen, und er sitzt fest.
<stolz>
Soll mal einer sagen, Schreibtischtäter könnten kein Fundament gießen...

 
Der zweite Punkt des Tages waren die Traubenhyazinthen. Dieses invasive Gewächs taucht nämlich gerade überall auf, auch dort, wo es nicht sein soll. Das Umgraben der Gemüsebeete war für die Katz, auch aus 40cm Tiefe schaffen es diese Biester wieder an die Oberfläche. Dafür ist die Zwiebel dann fast nicht mehr erreichbar. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen (nein, gegen Traubenhyazinthen, das ist schlimmer). Den Hackschnitzelbelag müssen wir punktuell wieder aufgraben und die Zwiebeln einzeln rauspopeln. Die noch freien Beete grabe ich nochmal mit der Gabel um und siebe durch. Das geht nur quadratmeterweise, denn es ist eine unglaubliche Friemelei, die winzigen Zwiebelchen zu finden. Anders wird es aber nicht besser werden und ich habe keine Lust, nächstes Jahr mein Gemüse von absolut rücksichtslosen Traubenhyazinthen verdrängt zu sehen. Dafür habe ich danach eine erstklassige Erdqualiät in den Gemüsebeeten - gesiebt, steinfrei und hoffentlich hyazinthenfrei. Aber der Blick auf das reichlich wachsende Wintergemüse tröstet:
 
 
Der Gartentag endete wie üblich: halbtot, aber glücklich, bei Ofenkartoffel
und Rote Bete :-)
 

Montag, 7. August 2017

Das historische Gärtnern...


Auf der Suche nach alten historischen Gemüsesorten stößt man zunächst auf wenig, dann auf wenig gut recherchierte Hinweise: Haferwurzel sei ein häufig angebautes Gemüse gewesen, Spinat habe erst im 19. Jahrhundert die Melde verdrängt und derlei Geschichten. Nach längerem Suchen habe ich eine Website gefunden, die eine große Liste digitalisierter historischer Garten- und Landbauliteratur aufführt, die man sich kostenfrei downloaden und lesen kann.
 http://www.historischegaerten.de/Gartenbaubuecherei/digilinks.html

Pomologische Traktate, Pflanzenlexika, Küchengartenratgeber oder Arzneipflanzenhandbücher; es gibt für jeden etwas, vorwiegend aus dem 17.- 19. Jahrhundert, wer tapfer ist und auch Latein liest, findet auch ältere Werke, ansonsten sind die Bücher in Deutsch, Französisch, Englisch und Niederländisch verfasst.
Sehr zu empfehlen für alle historisch interessierten Gartenbuddler.

Und wie ich mich die letzten Wochen so durchschmökere, musste ich feststellen, dass die Dinge etwas anders liegen:
Viele Gemüsesorten wie Melonen, die man eigentlich nicht in biedermeierlichen Gärten vermutet hätte, waren schon weithin bekannt und wurden offenbar oft kultiviert. Sogar Topinambur wurde unter dem mirakulösen Namen "Dragun" kultiviert.  Und Spinat habe ich in keinem der Bücher aus dem 18. oder 19. Jh. als neu oder mit der Melde konkurrierend gefunden. Beide hatten ihren Platz. Dem gegenüber wurde die Haferwurzel mehr als einmal gegenüber der Schwarzwurzel als weniger schmackhaft und lohnenswert in der Kultur dargestellt. Dafür habe ich in einem Buch sogar den exotischen Malabarspinat gefunden...

Einzig Tomate und Zucchini sucht man vergebens, ihre Verwandten die Kartoffel und der Kürbis hingegen sind schon wohl etabliert im Garten. Allerdings gilt die Kartoffel zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch als relativer Neuzugang. Was uns heute als althergebrachtes traditionelles Gemüse unserer Gartenkultur vorkommt, ist zwar als Zierpflanze jenseits der Alpen seit dem 16. Jahrhundert bekannt, als Nutzpflanze machte sie aber erst spät und hierzulande schleppend Karriere (nämlich im 18. Jahrhundert). Bevor entsprechende Züchtungen gelangen, waren Kartoffeln nicht ganz so schmackhaft und ertragreich wie heute.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich mache ein neues feld im Blog auf: das historische Gärtnern, in dem ich immer mal wieder aus alter Literatur Kurioses und Wissenswertes herausfische.


Laubenpieperglück

Samstag war der längste Gartentag in meiner hortikulturalen Karriere: 10 Stunden wühlen, graben, schleppen, hacken, zupfen, schneiden. Der Kubikmeter Holzschnitzel konnte ja auch nicht vor dem Gartentor bleiben, sondern wollte auf den Wegen verteilt werden.
Dann kamen die Garteneigentümer vorbei: Staunen, Begeisterung, Freude, dass die Wildnis einem passablen Bauerngarten gewichen ist. Als man mich dann das dritte Mal fragte, ob ich noch etwas gebrauchen könne, weil man sich ja gerne irgendwie beteiligen würde (...ein Dorf gärtnert mit...), hab ich dann meine Bestellung aufgegeben: Rindenmulch wäre eine gute Sache. Und vielleicht wieder ein Rosenbogen... Bestellt, geliefert. Und mit dem Rosenbogen steht das neue Projekt fest: Fundamente gießen.
Manchmal frage ich mich, ob ich mit dem Garten einfach nur den größtmöglichen Kontrast zu meinem Schreibtisch und den Bücherstapeln suche...

Das Ergebnis von einem Samstag und einem halben Sonntag kann sich aber sehen lassen: Betretbare Wege, eine wohlriechende Kompostecke mit Rindenmulchdecke und gestutzte Rosen- und Johannisbeersträucher.


 Anfang August





















Anfang April







Und das Wintergemüse sprießt:

Etabliert sich zunehmend als Plätzchen für die Kaffee-Pause:die Laube


Neuigkeiten bei den Gartenwundern gibt es auch.

Ein Dorf gärtnert mit

Wenn ich manchen Tags in meinem Garten werkel, oder auch nur nach Feierabend kurz nach dem Rechten sehe, stehen sie da: die Zaungäste. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie viele Menschen aus dem Dorf sich schon zu meinem Garten geäußert haben, der ein regelrechtes Sommerwunder zu sein scheint. Da lebe ich drei Jahre fast inkognito an diesem Ort und plötzlich - seit ich den prominentesten Garten beackere - kennt mich scheinbar jeder. Nicht mit Namen und nicht als Wissenschaftlerin, als die ich hierher gekommen bin. Nein, als Garten-Dame, Garten-Expertin, Garten-Profi, Gärtnerin, Garten-Pflegerin, Die-den-Garten-wieder-schön-gemacht hat, usw. Meistens gibt es nur bewundernde Worte, Auzsdruck von Erleichterung und Zustimmung, manchmal wird auch geflirtet (mit Obst und Gemüse...) und ich höre zwischen den Sätzen Begehrlichkeiten, manchmal gibt es auch mehr oder minder nachdrückliche Ratschläge. Und manchmal wird einfach nur nach dem Weg gefragt...

Ich muss mich an diese Form der Prominenz gewöhnen. Offenbar schauen mir doch mehr Menschen zu als ich dachte. So fühlt es sich wie Problemlösung in Live-Übertragung an, wenn ich - trotz allem ja ein Garten-Neuling - dreimal wieder vom Beet krieche und das Gartengerät wechsle, weil es nicht den gewünschten Effekt erzielt. Umgeben von Land-erprobten Menschen ist es vielleicht gar die reinste Gartenkomödie.

Zugegeben, das hat auch schon seine Vorteile gehabt. Wenn jeder weiß, was ich gerade tue und vor welchem Problem ich stehe, dann lässt es sich manchmal aussitzen, bis einer meiner Zaungäste mit der Lösung um die Ecke kommt. So mit dem Holzschnitzelbelag der Gartenwege: Es war ein Drama, da es nirgends Holzschnitzel zu erschwinglichem Preis gab, die mir Kleinwagenfahrer auch noch bis zum Garten gebracht werden. Aber genügend Leuten oft genug davon erzählt, jetzt hat sie jemand für mich zum Spottpreis organisiert. :-)

Samstag wurde der Bigbag mit Holzschnitzeln vor meinem Gartentor abgestellt. Auftakt einer neuen Folge von "Ein Dorf gärtnert mit".

Freitag, 28. Juli 2017

Ang'sät is! Buddels neuer Garten

Es ist soweit: nur drei Monate nach der Übernahme der Wildnis habe ich heute *feierlich* das erste Saatgut ausgebracht und die Herbst/Winter-Saison im Gemüsegarten mit meinem geliebten Feldsalat und mit Spinat eröffnet.

Das Winterbeet rechts habe ich in acht Parzellen unterteilt und vier heute angesät. Die übrigen Beete liegen noch unter Vlies, gegen Platzregen und Unkraut. Unter dem Vlies ist allerdings Assel-Party... der Boden bleibt dort etwas feucht, warm und dunkel. Krabbler aller Art lieben das.


Die Rosen blühen schon wieder. Nach einem vorsichtigen Rückschnitt hat sie jetzt nochmal riesige Blüten. Die Sonnenblume ist hingegen verblüht, doch Sonneblumenkerne aus eigenem Garten kann ich vergessen: Für die Vögel ist das ein All-you-can-eat-Buffet. Da bringe ich es nicht mehr übers Herz...

Sonntag, 23. Juli 2017

In der heißen Phase

...war nicht nur der Garten sprichwörtlich in den letzten zwei Wochen. Es war so viel los - im Garten und im Job - dass auch keine Zeit zum kontinuierlichen Bloggen war. Nicht zuletzt hatte auch das Wetter eine heiße Phase und wenn man dann in einem relativ windgeschützen Garten vor einem hellen Steingebäude gärtnert, das auch noch wunderbar die Wärme reflektiert, dann ist man abends mehr als gar.

Den Garten werdet ihr aber nicht wiedererkennen. Von der verwilderten Kulturbrache zum Hortus deliciarum. Es hat Schweiß gekostet, Kraft und Tränen, aber jetzt ist es ein Garten, in dem sogar noch Herbstgemüse einziehen kann. Momentan sehr aufgeräumt, aber wilder wird's ja von alleine wieder ;-)

An meiner Gartenmauer setzte sich das Leben indes ein Denkmal, an dem man allzu schnell achtlos vorbeigeht:

Das Wegekreuz

Wer sich noch an den gezeichneten Plan erinnert, der weiß, dass um den buchsähnlichen Busch in der Mitte des Beetes ein Wegekreuz entstehen soll.
Das war das Planziel heute. Zur Befestigung der Beetränder haben wir abermals erst mal eine Ladung Feldsteine gesucht und vom Ackerrand zum Auto und von dort wieder aufs Gemüsebeet geschleppt.
Dann habe ich die Position und die Breite der Wege festgelegt und mit Seil markiert.

Als nächstes mussten die Wege etwas ausgegraben werden, damit Platz für den Holzschnitzelbelag entsteht. Was ich an Erde hier weggeschaufelt habe, landete im Hügelbeet, das bisher nur eine Lage Zweige und trockenes Laub als Grundfüllung hatte.

Wer dachte (wie ich), das Schaufeln und Erdeimer schleppen sei die schwerste Arbeit des Tages gewesen, der hat noch nicht über 150 Feldsteine zur Wegbefestigung in sengender Sonne verlegt. Denn es war ja nicht damit getan, sie einfach anneinander zu reihen... jeder Stein musste passend ausgesucht und ein bisschen eingegraben werden. Schwitz...


Zum Vergleich nochmal der Zustand vor drei Wochen...

Die Wege werden noch mit Holzschnitzeln belegt, damit sie trittfester werden (und besser aussehen).

Im Hügelbeet durften die ersten Pflanzen einziehen:

Freitag, 21. Juli 2017

Die Neuen aus Bamberg

Eine Woche ist es her, dass der Wildgarten zum Kulturgarten wurde und ich habe mich heute auf den Weg nach Bamberg gemacht, um in der dortigen Bio-Kräutergärtnerei ein paar Neuzugänge abzuholen.

Ein Grundsatz meines Gartens ist, die Materialien aus der Region zu beziehen. Am Besten gleich hier aus dem Dorf, oder aus dem Nachbardorf, wo ich die Feldsteine für das Hügelbeet holen konnte oder eben aus der Region, wie in Bamberg, wo es eine hervorragende Gärtnerei für Küchenkräuter und Arzneipflanzen gibt. Ein Repertoire medizinisch verwendbarer Gewächse soll nämlich die Zierrabatte auffüllen und nahm heute seine Plätze ein, z.B die Wilde Malve
Auch Baldrian, Johanniskraut, wilde Rauke, Frauenmantel, Kaskadenthymian, Ysop, Duftveilchen und schmalblättriiger Sonnenhut sind nun im Garten, wobei letzterer nicht in mein Konzept traditioneller Bauerngartenpflanzen passt, weil er erst im 19. Jh. als Neophyt eingeschleppt wurde. Nun ja, ein paar Exoten muss ich sowieso tolerieren, der Rhododendron ist ja auch kein europäisches Gewächs, deshalb würde ich ihn aber jetzt nicht aus dem Garten verbannen...



Ein herrliches "Unkraut" an völlig unpassender Stelle, welches ich aber bisher gegen alle Ordnungswüteriche verteidigen konnte, belohnt uns demnächst mit knallrosa Blüten:


Da bewährt sich meine Philosophie "erst mal stehen lassen und schauen, was daraus wird"

Donnerstag, 20. Juli 2017

Hauruck

Ein anderer Titel fällt mir zu diesem Post nicht ein.
Für drei Tage kamen die Gartenhelfer, um dem Werden des zukünftigen Gemüsegartens auf die Sprünge zu helfen. Und in der Tat haben sie kaum einen Halm stehen lassen. Aber fangen wir vorne an: Der Plan war, die Laube herzurichten, den Bewuchs des Gemüsebeetes abzumähen, die großen Rosenbüsche zu evakuieren und das Baumaterial für das Hügelbeet zusammen zu tragen - also eine größere Menge Feldsteine zu transportieren. Kurzum: all das, was ich alleine nicht bewältigen kann. Dieser Plan wurde erfüllt, alles prima. Dazu muss ich sagen, dass ich selbst leider nur sporadisch im Garten mithelfen konnte mangels freier Zeit und so schoss die Gartenaktion in Eigendynamik etwas über das Ziel hinaus:
Aus dem bepflanzten Stauden- und Zierbeet wurde auch gleich die gesamte Mulch- und Rotteschicht runtergekratzt (sieht ja sonst so unordentlich aus...) und das potentielle Mulch- und Kompostmaterial wurde entsorgt. Zurück blieb jede Menge nackte Erde zwischen einsam sitzenden Pflanzen und meine Trauer um das kleine funktionierende Ökosystem aus Zierpflanze, Wildkraut, Moosen und Bodenbewohnern in meinem Garten.
Aber bleiben wir beim positiven Blick auf die Dinge: das Gemüsebeet ist komplett bewuchsfrei, gelockert und vorbereitet (sogar umgegraben). Nur noch Wege anlegen und es kann losgehen. Auf diese Weise kann ich eine Herbst/Winterkultur versuchen: Herbstrettich, Herbstrübe, Feldsalat und Spinat. Das hätte ich im April noch nicht für möglich gehalten.


Vielleicht geht es nicht anders als im Hauruckverfahren. Vielleicht bin ich zu sanftmütig als Gärtnerin und tat mich deshalb so schwer, diese Radikalkur für meinen Garten hinzunehmen. Für den Augenblick stand ich jedenfalls etwas ratlos vor meinem rasierten Acker, der zum Schluss noch mit einem Unkrautvlies bekleidet wurde.
Die meisten Menschen sehnen sich nach Ordnung und Überblick, deshalb lieben sie getrimmte, geputzte Gärten in Reih und Glied, der Triumph über die Natur - auch die Passanten waren begeistert. Ich sehne mich nach perfekter Harmonie und Ausgewogenheit, nach optimalem Zusammenspiel von Kultur und Natur.

Inzwischen haben sich die Nerven etwas beruhigt. Hier und da sprießt der Gundermann und ein bisschen Klee und bedecken den Boden. Die umgesiedelten Pflanzen erholen sich vom Stress und haben es wahrscheinlich alle geschafft. Ich konnte mir indes überlegen, welche Pflanzen die leeren Plätze in der Zierrabatte einnehmen können...

Was sonst noch passiert ist während der Gartenaktion:
Das Hügelbeet wurde aufgeschichtet. Aus großen und kleinen Feldsteinen aus der Gegend habe ich ein 30cm hohes Beet zusammengepuzzelt, das farblich perfekt zum Haustein der umstehenden Häuser und des Schlosses passt. Das war mir wichtig. Aufgefüllt haben wir es erstmal mit Laub und Gehölzschnitt.

Die Monsterrose habe ich nach dem Verblühen beherzt zurückgeschnitten, so dass sie jetzt wieder als zwei Meter hoher Strauch alleine stehen kann und der völlig ruinierte Rosenbogen weg konnte.

Der etwas kümmerliche Rhododendron wurde aus seinem eingerabenen Topf befreit und in ein mit saurer Erde aufgefülltes Pflanzloch gesetzt. Wollen wir hoffen, dass es ihm gefällt :-)

Samstag, 1. Juli 2017

Stechimmen-Shooting

War heute mal wieder auf Stippvisite im Garten. Es ziehen immer wieder Schauer durch, da hab ich beschlossen, nur nach dem Rechten zu sehen. Ich hab den Augen nicht getraut: da regnet es drei Tage und schon ist wieder ein Dschungel gewachsen.
Das einzige Sonnenrad an diesem bedeckten Tag war die inzwischen aufgeblühte Riesensonnenblume:



Ansonsten steht der Rhododendron in den Startlöchern zum Aufblühen. Trotzdem sind schon allerlei Nektarliebhaber eifrig am Werk und waren heute die Stars vor meiner Linse:

Pummelig, pelzig, emsig: Dunkle Erdhummel

Wespe


...und zuguterletzt: Honigbiene
Aber mein Favorit unter den Nektar- und Pollensammlern bleiben die Hummeln - immer wieder wunderbar
Leider war heftiger Wind, der die Blüten geschüttelt hat und den Kamerafokus durcheinander
 brachte. Aber ich bin ihnen dennoch recht nah *auf den Pelz* gerückt.

Neulich habe ich mich noch gefragt, bei wem ich Steinpflanzen schnorren könnte, da kommt heute das zum Vorschein:
Es ist offenbar alles da, man muss es nur finden.

Dienstag, 27. Juni 2017

Warum Gärtnern eigentlich Suchen ist

Ich frage mich manchmal, warum ich eigentlich so ein ausgeprägter Garten-Gucker bin und so oft einfach nur auf dem Balkon oder im Garten stehe und schaue. Die vorbeilaufenden Dorfbewohner und Touristen (und davon gibt es einige...) halten mich wahrscheinlich für vor Schreck erstarrt oder geistesgestört oder im Stehen eingeschlafen oder so ähnlich.

Aber was tue ich da eigentlich? Ich denke nach, man könnte auch sagen, ich mache einen mentalen Rundflug und suche - nach Ideen, nach Lösungen, nach Antworten auf meine vielen tausend Fragen an den Garten und das darin wuchernde Leben.


"Stop - Look - Listen" ist so ein Spruch, den man im schottischen Hochland an jedem Bahnübergang lesen kann und der auch in Anbetracht der gewaltigen Naturschönheit in Schottland sehr empfehlenswert ist. Genauso ist es doch auch in unseren Gärten: wer schaut, entdeckt, wer beobachtet, der lernt.
Natürlich könnte ich (und habe ich) viele Bücher (ge)lesen über das Gärtnern, wie es sich für einen Berufsgrübler gehört. Aber das ist ein bisschen wie Männer, die Frauenzeitschriften lesen in der Hoffnung, Frauen dann besser zu verstehen: letztlich ist die Wahrheit im Beet ja doch eine ganz andere und deshalb ist man auf das Erleben und Erfahren angewiesen.

Ich habe ja nicht meine 30qm durchgepflügte Erde, um ihr mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Gemüse und Obst abzuringen - das wäre zu einfach und außerdem eine einseitige Angelegenheit. Ich sehe die Beziehung zu meinem Garten eher kollegial: ich möchte etwas von ihm und er dafür etwas von mir. Klassischer Fall von Symbiose. Ich unterstütze ihn bei dem, was er von Natur aus sowieso macht: Wachsen und Gedeihen, aber ich mache es auf eine Weise, dass eine Win-win-Situation entsteht: er befindet sich im ökologischen Gleichgewicht und im Gegenzug darf ich die Früchte mit nach Hause nehmen :-)
Was er braucht und was ich für ihn tun kann, das teilt er mir kontinuierlich mit, vorausgesetzt, ich höre und sehe ihm zu.

Und das ist es wohl, was ich tue, wenn ich in meine Gartenstarre verfalle: ich stelle Fragen und suche die Antworten, indem ich zuhöre und zusehe, was im Garten los ist und wie er auf mich und mein Handeln reagiert. Ich tue etwas, der Garten tut etwas, und so kommunizieren wir. Ich möchte behaupten, das ist sogar der größte Reiz für mich am Gärtnern: die natürlichen Gegegebenheit und Vorgänge so arrangieren, dass Garten und Gärtnerin gleichermaßen maximal davon profitieren.

Ich sag's allzu oft: wir arbeiten nicht *im* Garten, sondern *mit* dem Garten.
Stimmt's?


Donnerstag, 22. Juni 2017

Hola, Paprika!

Und eines Tages hängen sie da, die Schoten. Die Paprika-Pflanzen haben so viele Blüten angesetzt, dass ich ein paar entfernen musste, sie hätten sich gegenseitig behindert und die Pflanze hätte sich totgeblüht.

Wie es aussieht, eine Chili-Paprika??? Ich wusste ja nicht, was ich da eingepflanzt habe, aber es sieht scharf aus. Da freut sich mein chilly-freakiger Papa, wenn er mich im Juli besucht... olé!



Dienstag, 20. Juni 2017

Wie geht's weiter im Garten?

...das frage ich mich eigentlich nach jedem Garten-Akt.
Gerodet hab ich soweit nötig, der Grünschnitt liegt zum Trocknen und Rotten aus. Der nächste Schritt wäre die Bodenbearbeitung im Gemüsebeet. 
Davor müsste ich jedoch die Tulpenzwiebeln finden und ausgraben. Deshalb hab ich mir anhand meiner Frühlings-Fotos auf meinem Plan die "Lage" der Tulpen markiert, damit ich nicht ewig in der Erde rumstochern muss. Sind die Zwiebeln evakuiert, müssen noch mindestens zwei Rosenstöcke und eine Hortensie umgesiedelt werden.
Dann würde es radikal werden: abmähen, was noch steht. Grünschnitt stapeln und die Erde auflockern, zum Teil werde ich sie aufhacken müssen. Ich habe mal ein paar Probe-Gabelstiche gemacht: mancherorts ist die Erde ganz okay und man kommt gut durch, andernorts ist sie knüppelhart. Das Beet ist auch etwas uneben, der Trampelpfad liegt tiefer als der Rest.
Mein Traum wäre, die ganze Fläche in schön krümelige Erde zu verwandeln, Beete abstecken, den Grünschnitt drauf packen, Sackleinen drüber und warten bis zum Frühjahr :-)
Die Bodenqualität macht einen guten Eindruck: was beim Probegraben zum Vorschein kam, ist schwarzbraun und lehmig-krümelig.



Und dann gibt's ja noch die Laube. Vom Efeu schon teilweise befreit, zeigen sich verschiedene Beschädigungen, die auszubessern wären. Das Dach ist stark verwittert, die Dachpappe wellt sich. Auch die Sitzbänke machen keinen wirklich vertrauenerweckenden Eindruck... Das meiste Kopfzerbrechen macht mir aber der Anstrich. Teilweise abgeblättert, blasig, krümelnd. Einfach Farbe drüberpinseln ist keine gute Idee. Man müsste sie fachgerecht restaurieren, die Farbe abnehmen, schleifen und neu lasieren. Aber das ist bei soviel Verschnörkelung eine unzumutbare Arbeit (und Kosten). Ich neige daher eher zu einer Bestandssicherung: lose Farbe erst mal nur runterschaben, eventuell die Sitzbretter erneuern und alles von Staub und Schmutz befreien. So eine historische Laube zu sanieren, ist ein kostspieliges Projekt, dass ich nicht in einem Garten realisiere, der nicht mein Eigentum ist. Andererseits werde ich nicht durch unfachgerechtes Basteln eine gescheite Restaurierung noch mehr erschweren. Umgekehrt: wenn der Garten erst mal einen paradiesischen Zustand erlangt hat und nur die Laube noch etwas bedauerlich aussieht, kann man ja mal mit dem Eigentümer reden, ob er nicht in das Laubenschätzchen investieren möchte.



Samstag, 17. Juni 2017

Another day in paradise

Irgendwie genieße ich ja auch die Wildheit des Gartens; er hat etwas verwunschenes und man entdeckt immer wieder lauschige Plätzchen und Ecken mit kleinen Gartenwundern. Für einen abgezirkelten und cleanen Garten taugt dieses Kleinod darum gar nicht.

Trotzdem haben wir (ja, heute half der Mitbewohner...) mal eine Ecke des Gartens in Ordnung gebracht: von der mokeligen Unrat-Ecke zum aufgeräumten Kompost-Platz:

 Aus der Ecke musste ein bisschen Müll und vor allem der grauslige moderige Kunstrasen raus. Darunter kam makellose, aber mausetote Erde hervor. Um dem Kompost ein bisschen schneller Leben einzuhauchen, haben wir daher eine Kuhle ausgehoben und mit lebendiger Erde aus der Wildnis des Gartens aufgefüllt, Komposter drauf, Kies drumherum, fertig ist der schicke Kompost-Platz. Und ein, zwei Stunden Sonne am Tag hat er auch. Wühlmäuse werden von unten sicher nicht in den Kompostgraben, denn in dieser Ecke gibt es nur etwa 15cm Erde, darunter eine Schicht Sand und dann direkt dicke Steinbrocken. Hat mich auch gewundert; ich frage mich sowieso, woraus das Fundament meines Garten eigentlich besteht?
Mein Mitbewohner hat dann - ganz der Mann - unbedingt noch ein paar Trittplatten verlegt, die im Laufe der Wochen aus den Beeten geborgen wurden.
Mit einem Gemisch aus Grün und Braun habe ich den Komposter dann auch gleich befüllt. Dann wollen wir mal sehen... :-)





Beim weiteren Auf- und Ausräumen der Laube kam dann eine alte Axt zum Vorschein. Sie hat ja was gruseliges, wie sie so da liegt...

Ansonsten habe ich weiter gerodet, halbiert und ausgedünnt. Eigentlich ist es ja egal, wo man sich bückt und zupft. Unkraut gibt es auf jedem Quadratzentimeter. Und Blumenzwiebeln... Der Mitbewohner wollte dann unbedingt noch den Weg von Unkraut befreien - und hat dabei auch die in den Fugen wuchernden Kornblumen umgemetzelt :-( manchmal verfluche ich seinen Ordnungssinn, man hätte die doch nach der Blüte ausrupfen können.

Und zum Schluss, wie immer, hab ich mich nochmal der Schönheit der Wildnis hingegeben:
An den panaschierten Rosen kann ich mich gar nicht satt sehen.

Es ist wirklich ein seltsamer Glücksfall, dass ich ein Gärtchen in dieser Lage, direkt mit Blick auf die mächtige Schlossanlage ergattern konnte :-)