Dienstag, 27. Juni 2017

Warum Gärtnern eigentlich Suchen ist

Ich frage mich manchmal, warum ich eigentlich so ein ausgeprägter Garten-Gucker bin und so oft einfach nur auf dem Balkon oder im Garten stehe und schaue. Die vorbeilaufenden Dorfbewohner und Touristen (und davon gibt es einige...) halten mich wahrscheinlich für vor Schreck erstarrt oder geistesgestört oder im Stehen eingeschlafen oder so ähnlich.

Aber was tue ich da eigentlich? Ich denke nach, man könnte auch sagen, ich mache einen mentalen Rundflug und suche - nach Ideen, nach Lösungen, nach Antworten auf meine vielen tausend Fragen an den Garten und das darin wuchernde Leben.


"Stop - Look - Listen" ist so ein Spruch, den man im schottischen Hochland an jedem Bahnübergang lesen kann und der auch in Anbetracht der gewaltigen Naturschönheit in Schottland sehr empfehlenswert ist. Genauso ist es doch auch in unseren Gärten: wer schaut, entdeckt, wer beobachtet, der lernt.
Natürlich könnte ich (und habe ich) viele Bücher (ge)lesen über das Gärtnern, wie es sich für einen Berufsgrübler gehört. Aber das ist ein bisschen wie Männer, die Frauenzeitschriften lesen in der Hoffnung, Frauen dann besser zu verstehen: letztlich ist die Wahrheit im Beet ja doch eine ganz andere und deshalb ist man auf das Erleben und Erfahren angewiesen.

Ich habe ja nicht meine 30qm durchgepflügte Erde, um ihr mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Gemüse und Obst abzuringen - das wäre zu einfach und außerdem eine einseitige Angelegenheit. Ich sehe die Beziehung zu meinem Garten eher kollegial: ich möchte etwas von ihm und er dafür etwas von mir. Klassischer Fall von Symbiose. Ich unterstütze ihn bei dem, was er von Natur aus sowieso macht: Wachsen und Gedeihen, aber ich mache es auf eine Weise, dass eine Win-win-Situation entsteht: er befindet sich im ökologischen Gleichgewicht und im Gegenzug darf ich die Früchte mit nach Hause nehmen :-)
Was er braucht und was ich für ihn tun kann, das teilt er mir kontinuierlich mit, vorausgesetzt, ich höre und sehe ihm zu.

Und das ist es wohl, was ich tue, wenn ich in meine Gartenstarre verfalle: ich stelle Fragen und suche die Antworten, indem ich zuhöre und zusehe, was im Garten los ist und wie er auf mich und mein Handeln reagiert. Ich tue etwas, der Garten tut etwas, und so kommunizieren wir. Ich möchte behaupten, das ist sogar der größte Reiz für mich am Gärtnern: die natürlichen Gegegebenheit und Vorgänge so arrangieren, dass Garten und Gärtnerin gleichermaßen maximal davon profitieren.

Ich sag's allzu oft: wir arbeiten nicht *im* Garten, sondern *mit* dem Garten.
Stimmt's?


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