GARTENWAHRHEITEN

TEIL 1: Die Wahrheit über saisonales Gemüse

Damit man einen Eindruck bekommt, was es heißt, saisonal zu essen, hab ich die jeweilige Lage mal notiert:

Februar/März
Die wirklich magerste Zeit: aus dem Beet ist die Auswahl extrem eingeschränkt: bisschen Grün- und Rosenkohl, vielleicht noch überwinterter Porree.
Aus der Erdmiete, sofern noch was übrig ist, kommen die letzten Rübchen/Beten und Möhren. Und ja, Zuchtpilze gibt's ja auch noch...
An Lagerware sind evtl. noch Kartoffeln und Äpfel übrig.
Wer mal was anderes möchte als Kohl, der muss auf haltbar gemachtes Gemüse zurückgreifen. Aus der Konserve sorgten bei mir Sauereingelegtes und Dosentomaten für Abwechslung. Ansonsten gab es viel getrocknete Hülsenfrüchte.
Immerhin: der Frühgärtner hat im März den überwinterten frischen Feldsalat erntereif oder ein bisschen Spinat, im Gewächshaus vielleicht schon ein erstes Radieschen.

April /Mai
Die "Primeurs"kommen: Den Anfang machen oft Radieschen, Spinat, erster Blattsalat, Winterzwiebeln. Es folgen Mangold und Mairübchen, vielleicht erste kleine Karotten und die... Frühlingszwiebel. Im Mai bieten sich auch schon Kräuter an.
Dafür verabschieden sich Kohlgemüse und Porree und der Feldsalat wird jetzt grob und derb.

Juni/Juli/August/September
Pardon: die geilste Zeit! Alles ist da, alles ist reif. Die wirkliche Frisch-aus dem Garten-Selbstversorger-Zeit. Im Grunde müsste man sich jetzt einen Wanzt anfressen mit frischem Gemüse und Obst.
Den Auftakt im Füllhorn machen die einheimischen Gemüse wie neue Kartoffeln, Erbsen, Möhren, Kohlrabi, Gurken, Bohnen, Blumenkohl und Broccoli, später kommen die Südländer wie Tomaten, Paprika, Aubergine. Und natürlich nach und nach die ganze Palette Obst.
Und wer jetzt exotische Gewächse wie Feigen, Granatäpfel etc. möchte, der bekommt sie immerhin vom selben Kontinent und sie mussten keine Weltreise machen.
Es ist hier einfacher aufzuzählen, was es nicht gibt, nämlich die wenigen Wintergemüse wie Kohl, Spinat und  Porree. Radieschen ist es jetzt tendenziell zu warm.

Oktober/November
Noch gibt es vieles von der Vielfalt des Sommers. Späte Saaten der Sommergemüse sind im Oktober reif wie Fenchel, Sellerie, Herbstrübchen, Rote Bete, Schwarzwurzel und die ersten Wintergemüse:Feldsalat und Spinat sind wieder da und noch nicht in der Winterstarre, die späten Karotten, erster Porree und Kopfkohl. Nüsse und spätreifendes Obst gibt es zunächst auch noch frisch.

Dezember/ Januar
Es wird einsam auf dem Gemüseteller. Die frischen Gemüse müssen bis auf wenige Ausnahmen bis Dezember vom Beet: Radieschen, Pastinaken. Nur Lauch und Winterkohlsorten bleiben stehen und trotzen dem drohenden Dauerfrost. Der Feldsalat stellt, sofern er nicht groß genug zum Ernten war, das Wachstum bis März ein. Aus der Lagerung haben wir noch Sellerie, Kopfkohl, Karotten, Rote Bete und robustes einheimisches Obst.
Ich hab echt viele Äpfel und Karotten gegessen... und wenn dann letztlich alle Gemüse knapp werden, zählt man die Tage bis Ostern – oder man wird schwach und kauft einen Salat aus Italien.

FAZIT: Von 12 Monaten sind es eigentlich nur 4, die natürlicherweise jene Auswahl bieten, die wir rund ums Jahr im Supermarkt vorfinden.

Der Vollständigkeit wegen möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass sich saisonales Essen auch im Geldbeutel bemerkbar macht: was reichlich vorhanden ist, wird tatsächlich auch für kleines Geld verkauft.
Als im Winter 2016/17 ein Kälteinbruch die Ernte in Südeuropa schmälerte, explodierten die Preise und man war gut beraten, statt eines Lollo bianco einfach mal einen Chinakohl zu kaufen.




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