REZEPTE FÜR GARTENVERLIERER

Total versagt im Beet?
Die Radieschen bestehen nur aus Kraut und die Petersilie leidet an Zwergwuchs?
Willkommen bei den Gartenverlierern.

Es ist hart, sein Gemüse als missraten zu akzeptieren, nach so vielen Wochen Mühe. Aber vielleicht kann man aus dem, was die Natur uns übrig gelassen hat, ja doch noch etwas machen.
Aus den Fehlern und Unfällen, die mir im Verlauf des Gartenjahres passieren, will ich versuchen, das Beste rauszuholen. Erfolgreiche Strategien und Rezepte zum Umgang mit Fail-Gemüse teile ich dann hier mit.

Kopf hoch, es gibt ja noch die Nachkultur...


Eines vorweg: ich bin in der Küche ein echter Picasso. Ich folge blind meiner Intuition, lasse mir nicht gerne etwas vorschreiben (z.B. von Kochbüchern) und werde grantig, wenn man mich im Koch-Rausch stört (Topfgucker, Vorkoster, Rumsteher...). Das Minus daran ist, das ich weder Rezepten folge noch welche aufschreibe. Daher kann ich hier auch nicht mit exakten Mengenangaben dienen, sondern eher mit Vorgehensweisen. Bei kniffligeren Zubereitungen verweise ich dann auf das Rezept, das mir als Orientierung diente.

Fall 1: Die Spinat-Ernte fällt mickrig aus

Abgefressen, zur Hälfte gar nicht erst gekeimt, in Zeitlupe gewachsen: es gibt viele Gründe, warum man nur wenig Spinat im Beet hat. In meinem Fall ist er einfach durch das lange kalte Wetter nicht besonders schnell gewachsen und meiner Ungeduld zum Opfer gefallen, so dass ich knapp zwei Hände voll junge Spinat-Blätter abgeerntet habe.
Was macht man also mit einer Spinat-Ernte, die für eine Portion Rahmspinat oder auch eine Spinatlasagne einfach nicht reicht?
Mein Vorschlag: Spinat-Ricotta-Ravioli 
Kauft man Spinat, hat man für dieses Gericht nämlich meist zu viel Gemüse. Und eine Handvoll Spinatblätter reicht locker für Ravioli für 1 oder gar 2 Personen, je nach Gefräßigkeit...
Ich hab mit dieser Menge für zwei (Gefräßige) gekocht:

Zum Nudelteig sag ich nur, dass das Netz voll ist von guten und unterschiedlichen Rezepten. Man suche sich eines aus. Mein Teig bestand jedenfalls aus ca. 250g Weizenmehl, 2 Eiern, Wasser, Olivenöl, Salz (Teigrezept).
Nun ist "Nudelteig & ich" der Titel einer klassischen Tragödie: es fängt mit Liebe an und endet in der Katastrophe des überall klebenden, nicht ausrollbaren Teigs. Jetzt hab ich den Trick raus: Zum Auswalzen keinesfalls wieder Weizenmehl nehmen, sondern etwas gröberes: Maismehl oder Gries. Dann funktioniert es wunderbar.
Wer es nicht wagt: Nudelteig gibt es sogar fertig ausgerollt im Supermarkt zu kaufen.

Zur Füllung: Ich habe von einer Zwiebelhälfte zwei Scheibchen abgeschnitten und ganz klein gehackt. Zusammen mit dem in Streifen geschnittenen Spinat wurden sie in Olivenöl ein paar Minuten gedünstet. Etwas Knoblauch würde hier auch noch passen, muss aber nicht. Leicht salzen, pfeffern, dann mit einem halben Becher Ricotta vermengen. Schließlich habe ich noch geriebenen Manchego nach Geschmack untergemengt. Funktioniert auch mit Parmesan, ich fand Manchego (spanischer Ziegenhartkäse) aber spannender.


Zu den Ravioli: Die Füllung kommt teelöffelweise auf den ausgerollten Teig (ich habe ihn in ca. 10x5cm lange Rechtecke geschnitten, die ich nach dem Füllen in der Hälfte zusammengeklappt habe) und das Ganze gart 5-10 Minuten in siedendem Wasser. Schwimmen die Ravioli oben - pronto!

Das Finish: Ein EL Butter und ein guter Schuss Olivenöl mit etwas Rosa Pfeffer, einem Hauch Muskat, einer Knoblauchzehe und Rosmarin in einer Pfanne erwärmen und vor dem Servieren über die Ravioli träufeln. Wer will, kann etwas Manchego darüber raspeln. Ein Muss: das selbstgezogene Petersiliensträußchen, das macht es geschmacklich perfekt.


Das Gericht bietet sich an für ein halbes Dutzend Varianten, aber das überlasse ich jedermanns Kreativität. Und ist es mal nur halb so viel Spinat geworden: Einfach keinem verraten, die Ravioli schmecken wahrscheinlich trotzdem noch ;-)


Fall 2: Radieschen haben viel Kraut und wenig Knolle

Eigentlich ist das Rezept nicht aus einem Garten-Fail entstanden, sondern aus einem klassischen Alltags-Fail: nach einem anstrengenden Wochenende unterwegs kommt man sonntags abends nach Hause und merkt, dass nichts, aber auch gar nichts außer einem Ei und einem Rest saurer Sahne im Kühlschrank sind. Also raus ins Beet, wo das Essen wächst. Gefunden habe ich dort ein Bund frische Radieschen, einen Teller Salat und eine handvoll Kräuter.
Damit haben wir dann auch die Zutaten für unser Rezept:  
gedünstetes Radieschen-Grün mit Kräuteromelett.

Radieschengrün waschen und verlesen, eventuell etwas kleinzupfen und in Butter andünsten, wer will (und hat...) kann Zwiebelwürfel mitdünsten.
Das Ei mit den Kräutern vermengen und in der Pfanne in ein Omelett verwandeln.
Das Radieschengrün mit Salz, einer Prise Zucker, etwas frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken und zum Schluss mit einem Löffel saurer Sahne den letzten Schliff verleihen.
Sieht aus wie Omelett mit Spinat, schmeckt anders, aber ganz wunderbar.
Und der lausige Sonntag Abend war gerettet :-)
Und was passiert mit den Radieschen?  Die kommen entweder in den kleinen Salat oder aber - wie in meinem Fall - fallen mir schon während des Kochens zum Opfer.


Fall 3: Schlechtes Wetter, schlechter Wuchs: die Kräuter wachsen im Schneckentempo

Wenn die Kräutermenge für nichts richtig ausreicht, kann man sich mit einem sehr simplen, aber lohnenswerten Leckerbissen trösten:
Butterbrot mit frischen Kräutern.
Man braucht: eine Scheibe gutes Brot, etwas Butter (wie wär's mit selbst gemachter?), ein bisschen grobes Meersalz und was der Kräutergarten eben so hergibt: Petersilie, Schnittlauch, Dill, Kerbel, Möhrengrün usw. auch in kleinsten Mengen. Alles übereinander stapeln, fertig!
Dazu passt: Apfelsaft. Aber auch ein richtig gutes Mineralwasser :-)

1 Kommentar:

  1. Das sind ja nette Ideen. Besonders die Ravioli klingen gut!
    Danke für die Rezepte
    LG Marie

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