ÖKONOMISCHES GÄRTNERN

Seien wir ehrlich, konventionelles Gemüse wird uns im Sommer im Supermarkt hinterher geworfen. Rein aus Kostengründen lohnt sich ein Kleinstgarten also schon mal nicht. Gut, selbst gepflanzt kann man Bio-Gemüse produzieren, das ja schon deutlich teurer zu erwerben ist. Aber gerade im ersten Jahr eines Balkon- oder Kleinstgartens braucht man Equipment: Pflanzgefäße, Erden, Sand, Kies, Gerätschaften, Anzuchtgefäße, Saatgut, etc. Das kostet eine Menge und umso mehr, je mehr man es auf ökologisches Gärtnern anlegt, also z.B. torffreie Bio-Erden kauft, die leicht das vier- bis fünffache einer einfachen Gartenerde aufrufen.

Um das eigene Gemüse also nicht zum Luxusgut werden zu lassen, das am Ende mit Gold aufzuwiegen ist, muss man Kosten einsparen, wo es geht.

Klar, natürlich, das Erlebnis, etwas selbst zu säen, zu ziehen und zu ernten ist natürlich etwas ganz anderes, als schnödes Gemüse im Bioladen zu kaufen. Aber in meinem Fall ist der ökonomische Gedanke vom ökologischen nicht ganz wegzudenken: denn neben dem mediativen Gärtnern als Alternative zu meinem kopflastigen Job, geht es tatsächlich auch um die kostengünstige Produktion von ökologisch angebautem Gemüse, das ich mir aus dem Laden in dieser Menge einfach nicht leisten könnte.
Und um es nicht ad absurdum zu führen, bin ich also zum findigen Sparfuchs geworden und gebe nur Geld aus, wenn sich keine Alternative findet.

Beispiel 1: Anzuchtgefäße
So lange ich mein Gemüse noch kaufe, kaufe ich damit auch häufig Plastikschalen, die praktischerweise sogar schon Löcher im Boden haben: Erde rein, Samen drauf, fertig ist die Gratis-Anzuchtschale. Das gleiche gilt für Joghurtbecher (für Einzelgänger-Pflanzen), oben aufgeschnittene Tetrapacks oder Wasserflaschen (für Gewächse mit längeren Wurzeln) und so weiter. Umtopf-empfindliche Gewächse wie Bohnen oder Sonnenblumen gedeihen gut in mit Erde gefüllten Toilettenrollen, die man dann komplett mit Pflanze ins Beet setzt, nachdem man die Pappe soweit es geht abgerollt hat.Noch besser, finde ich, funktioniert es allerdings, wenn man kleine Plastikbecher mit einem Röllchen Küchenkrepp auslegt und mit Erde befüllt. Dann ist der Wurzelballen etwas handlich-kompakter (die Toilettenrolle reißt manchmal beim Abrollen, dann fällt gleich alles auseinander...)

Für jedes Pflänzchen findet sich unter den Recycling-Müll-Kandidaten ein geeignetes Gefäß und man kann auf den Krimskrams aus dem Gartencenter verzichten. Aber Vorsicht, irgendwann neigt man dazu, in jeder Verpackung ein potenzielles Pflanztöpfchen zu sehen...
Und dass man, wenn man denn mal eine Jungpflanze kauft, deren Topf nicht einfach achtlos wegwirft, versteht sich von selbst.

Beispiel 2: Pflanzetiketten.
Kann man aus allem machen, was länglich, beschreibbar und wasserfest ist. Ich habe einen Tetrapack komplett zerlegt und in Streifen geschnitten. Die Innenseite ist silberfarben und lässt sich einfach mit einem Filzstift beschreiben. Unten spitz zugeschnitten, fertig ist mein Pflanzstecketikett. Man unterschätze nicht die Wichtigkeit von Pflanzetiketten: mehr als einmal stand ich vor der Anzuchtschale und wusste nicht, was das eigentlich wächst. Die Keimblätter vieler Pflanzen sehen nichtssagend identisch aus.

Beispiel 3: Pflanzgefäße
Theoretisch kann man Gemüse in allem pflanzen, was groß genug ist, Erde hält und unten Löcher hat (bzw. wo man welche reinbohren kann). Wer also die Blumentöpfe nicht kaufen will, kann auch Haushaltseimer, Lebensmittelbehältnisse, Plastikkästen, Metalldosen- oder Tonnen benutzen. Ich habe auch schon mit Folie ausgekleidete Bäckerkisten als Garten gesehen oder - für Kartoffeln beliebt - mt Erde befüllte Säcke.
Hier lohnt sich Augen aufhalten und kreativ werden.

Beispiel 4: Saatgut und Stecklinge
Ich habe aus einer Tüte Bio-Bohnen, die zum Kochen gedacht waren, einfach ein paar Körner behalten und eingepflanzt. Funktioniert. Warum auch nicht?
Stecklinge kann man gut bei Freunden "schnorren". Es ist keine große Sache, wenn ein Bekannter von seiner wuchernden Minze oder seinem gut gewachsenen Rosmarin einen Zweig abschneidet und abgibt. Das macht der Pflanze nichts aus und man ist günstig zu einem Steckling gekommen. Man kann sich mit ein paar überzähligen Jungpflanzen revanchieren.Schnorren funktioniert auch bei Saatgut. Gerade Kleinstgärtner haben in der Regel immer mehr Saatgut als sie selbst verbrauchen können und sind willig zu teilen. Also entweder mit den Wimpern klimpern oder ein Tauschgeschäft versuchen: Saatgut gegen anderes Saatgut oder einen selbstgebackenen Muffin oder oder...

Beispiel 5: Stützen und Rankhilfen
Im Gartenmarkt Geld für Bambusstäbe oder schicke Tomatenspiralen ausgeben? Nicht notwendig. Draußen in der Natur findet man jede Menge Gehölz, in allen Längen, Formen und Beschaffenheiten. Ich habe eine kleine Sammlung von Zweigen und Stöcken in unterschiedlicher Größe und Dicke, die auf meinem Balkon vielfältig zum Einsatz kommen: als Stütze für Pflanzen, aber auch als Stütze unter Folien und Gemüsenetzen etc. Und anders als Bambus kann man sie einfach auf die gerade gebrauchte Länge bringen. Eines Tages wurden auf dem Parkplatz vor meinem Büro die Büsche und Bäume geschnitten. Das Schnittgut haben die Arbeiter am Wegrand gestapelt liegen gelassen. Ich habe mir da ein paar schöne, biegsame und lange Zweige rausgesucht, die eine wunderbare Bohnenrankhilfe abgeben...

Beispiel 6: Minitreibhäuser
Eine unten aufgeschnittene PET-Flasche macht sich - über einen Sämling gestülpt - prima als Treibhaus. An sonnigen Tagen kann man zur Belüftung oben einfach den Deckel abschrauben. Funktioniert jedoch nur bei sehr jungen Pflanzen, die noch keine ausladenden Blätter haben, da so eine Flasche doch sehr schmal ist. Auf die oben genannten Anzuchtgefäße kann man als Deckel ein baugleiches (transparentes) Plastikgefäß setzen, auch das schafft Treibhausbedingungen.

Beispiel 7: Gartenzutaten in Kleinstmengen
Ein Problem für den Kleinstgärtner sind die handelsüblichen Mengen im Gartenmarkt. Man braucht für seine Töpfe Sand und Kies, aber eben nicht gleich 25ltr oder 20kg. Ich habe mir eine kleine Tüte Sand von einer Bekannten aus deren Sandkasten geben lassen, das war ausreichend. Und die nötige Anzahl Kieselsteine hab ich auf Spaziergängen in der Natur gesammelt.

Beispiel 8: Buddelarbeit
Es soll Leute geben, die ihrem Hund beigebracht haben, auf Kommando Pflanzlöcher zu graben...



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