Donnerstag, 20. April 2017

BEETALARM: Wintereinbruch

Morgens, 6h30, meine müden Augen blinzeln aus dem Fenster...

... keine 10 Sekunden später stehe ich in meinem Garten und rette, was ich tragen kann: schon zwei Zentimeter Schnee liegen auf dem jungen Gemüse, dichtes Schneegestöber, Minusgrade.
Ziemlich fassungslos schleppe ich meine Pötte ins Wohnzimmer.

Die ganze Woche war klimatisch ein Reinfall, meine Wohnung ist ein einziges Gewächshaus und draußen wärmen Duschhäubchen die nicht ganz so empfindlichen Kandidaten...

Sonntag, 9. April 2017

Sonn(en)tag im Garten :-D

9h30, 20°C in der Sonne. Es wäre fahrlässig und vollkommen irrsinnig, NICHT auf dem Balkon bzw. im Garten zu frühstücken. Dabei kann man seinen Mitbewohner schon gleich zu Beginn des Tages mit Garten-Talk in den Wahnsinn treiben.

Auch mit dabei: Madame Amsel. Ich habe den letzten Rest des Winterfutters in ein Schälchen gefüllt, weil sie immer wieder so gerne zu Gast ist (isst) und so zutraulich ist. Leider ohne jede Tischmanieren, so dass nach jeder Mahlzeit die Körner auf dem ganzen Balkon verteilt sind :-\



Da ich gestern schon einiges im Garten gewerkelt habe, bleibt mir heute die eher theoretische Arbeit, die sich mal wieder mit dem Projekt Bohnengerüst beschäftigt.

Samstag, 8. April 2017

Buddel außer Rand und Band

Der erste Gartenmonat ist rum und wir kommen langsam in die Phase "Wachsen - egal wo". Nach einer sehr sonnigen und milden Woche sind wir hier im Beet ein ganzes Stück weiter. Ich zupfe des öfteren Kamille und Getreidesprossen aus den Fugen - letztere haben die Vögel mit dem Winterfutter verteilt. Und der herrliche gestrige Tag im Garten war dann irgendwann außer Kontrolle geraten: Voller Frühlingsgefühle hab ich in meiner Bienenweide, die eigentlich geordnet in Kapuziner-Rot und Ringelblumen-Orange erscheinen soll, inzwischen alles gesät, was mein Saatgutkasten an Blüten hergegeben hat. Mal schauen, was das wird...





Ins Beet umziehen durfte der erste Salat, der Mangold wurde umgetopft, ebenso wie diverse Kräuterzöglinge. Radieschen gesät und - auch völlig kopflos - noch eine Reihe Schnittlauch ins Möhrenbeet geworfen. Ach, wie herrlich!

Leider auch die ersten Plagegeister: Mal wieder, immer wieder, nach wie vor: Trauermücken. Hab ich gar nicht lange gefackelt und die Jungs von Schädlingsbekämpfung einbestellt: SF-Nematoden. Hilft immer.

Das ist ein kleiner Gartenskandal, den ich ablichten musste: Die Minze hat's im eisigen fränkischen Winter dahingerafft, aber wer hat's überstanden??? Dieses impertinente Unkraut (das einzige in meinem Gärtchen), eingeschleppt mit dem Minze-Setzling. Das schaut inzwischen wieder munter empor. :-P


Neues gibt es auch bei den kleinen Gartenwundern, z.B. diesen pelzigen Freund, der einmal ein Borretsch wird.

Freitag, 7. April 2017

Die saisonale Wahrheit

Von den Erzählungen meiner Oma aus dem Krieg bzw. den ersten Tagen nach dem Krieg ist mir besonders in Erinnerung geblieben, wie katastrophal es war, dass der Krieg im Mai endete (und nicht früher). Denn als sie von der Evakuierung zurück in ihr Dorf kamen, war nichts gesät und gepflanzt. Zu kaufen gab es ja ohnehin nichts, aber die Selbstversorgung war überhaupt nicht vorbereitet und für viele Gemüse war es schon zu spät.
Die Rettung waren die wenigen zurückgebliebenen Einheimischen, die sich in der nicht weit entfernten Burgruine versteckt hatten und dort sowohl in den Gewölben Pilze gezüchtet, als auch um die Burg herum ein bisschen Gemüse gezogen hatten. Und dann teilte man das Pflanzgut so gut es ging.
Diese Erinnerung hat mich sensibel gemacht, denn wir können uns heute überhaupt nicht mehr vorstellen, was es bedeutet, wenn man zu einem beträchtlichen Teil aus dem eigenen Garten leben muss.

Nachdem mich das und mein erstes Gartenjahr so ehrfürchtig haben werden lassen, hab ich versucht, mich ausschließlich saisonal zu ernähren, also nur zu essen, was entweder in meinem Garten wächst oder aber in unseren Landen gerade Saison hat (also in meinem Garten stehen würde, so ich denn einen hätte).
Zwar würde ich natürlich einen Großteil meiner Ernte als Vorrat einfrieren, aber da mir als Vergleichssituation ja immer gerne der Zustand vor ca. 100 Jahren dient, entfällt die Option erst mal für mich. Nein, ich wollte wirklich mal meinen Speiseplan mit dem bestreiten, was meine Oma zur Verfügung hatte. Zusätzliche Schwierigkeit ist hierbei, dass ich Gemüsekonserven nicht mag. Mais, grüne Bohnen, rote Bete, Linsen und ausnahmsweise noch Schwarzwurzeln gehen durch, alles andere finde ich schauderhaft. An haltbaren Gemüsevorräten gibt es für mich also nur noch Sauerkraut und Einlegegurken.
Mein Speiseplan wurde ab Dezember wirklich ernüchternd und ist jetzt, in der Fastenzeit (deren Sinn man dann augenblicklich versteht!), geradezu desaströs.
Ich hab wirklich viel Kohl gegessen, außerdem Möhren, Porree und Rübchen sowie Feldsalat und Spinat als Frischwaren, Hülsenfrüchte als Trockenprodukte, Lagerobst (...Äpfel), Sauerkraut. Aber inzwischen gibt es frisches Grünzeug fast nur noch aus dem südlicheren Ausland und ich sehne mich nach den ersten Radieschen - aus meinem Garten oder eben aus dem Supermarkt. Die einzige mediterrane Abwechslung waren die passierten Tomaten, die ich mir für eine Tomatensauce gönnte. Und Oliven. Ist ja auch eine Konserve... Die einzigen Ausnahmen, die ich mir erlaubt habe, waren Avocados und Bananen. Denn die kommen ganzjährig von weit her und daher ist es eine Grundsatzentscheidung, ob man sie isst oder nicht.
Einerseits erkennt man, wie eingeschränkt das Warenangebot ohne Auslandsgemüse ist, andererseits  wird einem bewusst, wie irrsinnig viel Energie wohl verbraucht wird, damit wir mitten im Winter Tomaten, Zucchini und Aubergine essen können.
Was saisonaler Gemüseeinkauf heißt, habe ich hier mal zusammengestellt.

Allerdings hat auch Garten-Reenactment seine Grenzen: hätte ich einen anständigen Acker, hätte ich auch einen Gefrierschrank.